Das Bluetentagebuch

Energetischer Schutz für Hochsensible im Kundenkontakt als Floristin

Die Schere schneidet durch den Stiel einer Ranunkel, und der Kummer der Kundin vor mir sitzt mir schon in der Brust, bevor sie überhaupt ein Wort gesagt hat. Hochsensibel zu sein und gleichzeitig den ganzen Tag mit fremden Menschen und ihren größten Anlässen zu tun zu haben (Geburt, Hochzeit, Tod) ist eine Kombination, die in keiner Ausbildung wirklich vorkommt. Was mir am meisten geholfen hat, in diesem Beruf nicht auszubrennen, war zu lernen, was energetischer Schutz im Kundenkontakt eigentlich bedeutet, und was er ausdrücklich nicht bedeutet.

Kurzer Hinweis vorab, weil das zur Ehrlichkeit dazugehört: Ich schreibe hier von meinem eigenen Weg und verlinke dabei manchmal Programme, die ich selbst finanziere – wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Bevor du selbst Zeit oder Geld in eine Ausbildung steckst, lies die Bedingungen beim Anbieter genau durch. Ich bin weder Ärztin noch Rechtsberaterin, und meine Erfahrung ersetzt keine fachliche Beratung.

Was energetischer Schutz im Kundenkontakt bedeutet

Energetischer Schutz heißt für mich nicht, weniger zu fühlen. Es bedeutet, zu unterscheiden, was zu mir gehört und was gerade nur durch mich hindurchgeht, ohne bei mir hängen zu bleiben. Am Bindetisch merke ich das oft zuerst in den Armen – ein leichtes Zittern, das nichts mit dem Gewicht der Blumen zu tun hat, sondern mit der Anspannung einer Kundin, die sich während des Zuhörens in meinen Körper verlagert.

Ich habe eine Zeit lang versucht, mir jeden Sonntag selbst einen Strauß zu binden, nur für mich, als eine Art wöchentliches Gegenritual zu genau diesem Aufsaugen. Es half im Moment, die Hände in etwas Schönem zu haben, aber am Montag war die alte Erschöpfung meistens wieder da. Schutz ist offenbar kein Zustand, den man sich einmal in der Woche holt und der dann von allein hält.

Geholfen hat vor allem die tägliche Handarbeit selbst: das Wässern von Steckmoos, bis es schwer und satt in der Hand liegt, ist für mich fast schon eine kleine Übung im Erden, lange bevor ich wusste, dass es dafür überhaupt ein Wort gibt.

Hände einer Floristin beim Vorbereiten von Steckmoos in einem Blumenladen – geerdete Handarbeit als Teil des energetischen Schutzes im Kundenkontakt

Woran merkst du, dass gerade keine Grenze da ist?

Ein Zeichen ist, was ich unter den Füßen kaum noch spüre – der raue, leicht schiefe Boden aus altem Kalkstein, auf dem ich sonst jeden Tag ganz selbstverständlich stehe, fühlt sich an solchen Tagen fast unwirklich an. Ein zweites Zeichen ist das Gefühl, offen wie ein Gefäß zu sein, in das jeder ungefragt hineinschüttet, was ihn gerade bewegt.

Wie fein ich diese Zeichen überhaupt wahrnehme, hat viel mit dem zu tun, was ich in meinem Moleskine-Notizbuch nachverfolge – ein spirituelles Tagebuch, in das ich sonntagabends kurz schreibe, manchmal nur drei Sätze. Das Rascheln des Einbands in der Stille danach ist für mich inzwischen fast ein eigenes Signal dafür, dass ein Gedanke fertig gedacht ist. Auch das Trainieren der Hellsinne spielt hier mit hinein, auch wenn es etwas anderes ist als das reine Wahrnehmen von Grenzen – dabei geht es eher um feinere Sinne insgesamt.

Offenes Moleskine-Notizbuch mit gepresster Pfingstrose und handschriftlichen Notizen zum spirituellen Tagebuch einer hochsensiblen Floristin

Wo der Schutz aufhört

Energetischer Schutz ist außerdem nicht dasselbe wie die Arbeit, die oft direkt danach kommt. Was ich über meine Mutter Ingrid heute verstehe, würde ich eher der Ahnenheilung für Anfänger zuordnen – dort geht es um Herkunft, hier am Bindetisch geht es nur um die Gegenwart eines einzelnen Gesprächs.

Neulich bat mich eine Kundin um einen Mutterstrauß, kurz und sachlich, fast beiläufig hingesagt. Ich habe das Gespräch diesmal nicht abgekürzt, so wie ich es früher aus reinem Selbstschutz oft getan hätte, sondern bin einfach eine Minute länger stehen geblieben, auch als es unangenehm wurde. Das war schon fast Trauerintegration, auch wenn ich dafür nicht ausgebildet bin – ich habe nur zugehört, ohne es zu deuten.

Trifft mich dagegen etwas ungewöhnlich hart, obwohl die Situation objektiv harmlos war, ist das für mich meistens ein Hinweis, dass gerade nicht die Kundin das eigentliche Thema ist, sondern etwas in mir – das würde ich eher der Schattenarbeit zuordnen als dem Schutz. Wer Schutz über lange Zeit ignoriert und einfach weiterarbeitet, läuft eher Gefahr, irgendwann in eine innere Leere zu rutschen, aus der man schwerer wieder herausfindet als aus reiner Tageserschöpfung. Herzöffnung wiederum geht fast in die Gegenrichtung – die einen üben, sich mehr zu öffnen, ich übe an solchen Tagen eher, mich zu halten, ohne dichtzumachen. Die Huna-Lehre nähert sich der Frage von Grenze und Verbindung noch einmal ganz anders, das würde hier aber zu weit führen.

Erst Füße, dann Worte: die Schritte am Bindetisch

Der erste Schritt ist rein körperlich. Bevor ich einer Kundin antworte, verlagere ich das Gewicht bewusst in die Füße statt in den Kopf – im Kern ist das spirituelle Erdung für Anfänger, nur mitten im Gespräch angewendet statt in einer ruhigen Übung zu Hause.

Zweitens folgt eine stille, innere Entscheidung. Ich lasse zu, dass mich etwas berührt, ohne zuzulassen, dass es bei mir bleibt – dabei hilft mir oft, bewusst den Duft von frischem Eukalyptus einzuatmen, während ich mir vorstelle, dass das Schwere weiterzieht, so wie überschüssiges Gießwasser einfach abläuft.

Der dritte Schritt kommt erst danach, nicht während des Gesprächs selbst: bewusst prüfen, was von dem, was ich gerade gespürt habe, tatsächlich zu mir gehört. An dieser einen Frage entscheidet sich für mich, ob ich noch geschützt arbeite oder schon wieder alles aufsauge – gehört dieses Gefühl in meine Woche, oder ist es bei mir nur zu Besuch.

Eine Mauer schützt nicht – sie trennt

Ein verbreiteter erster Reflex ist, sich beim Schutz etwas wie eine Glasglocke vorzustellen, einen Schild aus Licht, durch den nichts mehr durchkommt. Das Problem dabei: Was draußen bleibt, ist nicht nur der Schmerz der anderen Person, sondern auch die feinen Zwischentöne, die eine Kundin oft genau dann zeigt, wenn sie eigentlich weinen möchte.

Schutz, der taub macht, ist für mich kein Schutz, sondern nur eine andere Form von Rückzug. Ein tief verwurzelter Baum bewegt sich im Wind, ohne umzufallen – die Bewegung gehört dazu, nicht das Stillstehen. Vergesse ich das im Laden, merke ich es fast immer daran, dass Kundinnen kürzer werden in dem, was sie mir erzählen, ohne dass ich benennen könnte, warum.

Was ich mir dafür an Unterstützung hole

Auch das, was ich beim Intuition stärken übe, hängt damit zusammen, auch wenn es ein eigenes Thema ist; dort geht es darum, im Gespräch zu spüren, welche Blume eine Kundin eigentlich braucht, während es beim Schutz eher darum geht, dabei selbst stehen zu bleiben.

Erzähle ich Romy Kähler, mit der ich vor Jahren zusammen gelernt habe und die heute selbst einen Laden in Oldenburg führt, am Telefon von einer Trommelreise, wird sie erstmal ungläubig. Sie fragt trotzdem weiter, und diese Neugier ohne Zustimmung ist mir inzwischen lieber als bloße Höflichkeit.

Ich arbeite aktuell außerdem in einem einjährigen Programm namens Power of Love von Thomas Young, das genau an solchen Fragen von Grenze und Präsenz ansetzt, nicht als Ersatz für das, was ich am Bindetisch längst übe, sondern als Rahmen, in dem ich es in Ruhe einordnen kann. Das ist keine schnelle Lösung, und ob so ein Rahmen zu dir passt, bleibt am Ende deine eigene Entscheidung. Wenn dich die Gefühle anderer Menschen regelmäßig überfordern, kann ein Programm wie die Power of Love Ausbildung ein Anfang sein; bei anhaltender Überforderung, Angst oder Trauer ersetzt das aber weder den Hausarztbesuch noch eine Psychotherapie.

Energetischer Schutz bleibt ohnehin nicht im Laden stehen: Dieselbe Grenze braucht mein Alltag zu Hause ebenso, das ist am Ende reine Alltagsintegration, auch wenn dafür niemand extra ein Jahresprogramm bräuchte.

Mal kurz:
Keine der Informationen auf dieser Website stellt eine medizinische, rechtliche oder finanzielle Beratung dar. Alle Inhalte basieren auf persönlicher Erfahrung. Wenden Sie sich an einen qualifizierten Fachmann für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung.

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