Das Bluetentagebuch

Wie ich meine Lebensenergie steigern kann durch einfache Huna Übungen im Alltag

Ein Trommelkreis am Rand von Worpswede und ein Kühlraum voller Rosen im Bremer Viertel haben so gut wie nichts gemeinsam – und trotzdem behandle ich beide neuerdings nach derselben Regel, wenn es darum geht, meine Lebensenergie zu steigern. Der verbreitete Irrtum lautet: mehr Energie heißt mehr Programm, mehr Disziplin, mehr Kraftanstrengung. Seit meine Mutter Ingrid gestorben ist, erlebe ich in meiner Huna-Praxis und im Florist-Alltag eher das Gegenteil, und das hat mit spiritueller Entwicklung und mit der Art, wie ich meine Trauer verarbeite, mehr zu tun als mit Willenskraft.

Lebensenergie steigern – der Mythos von der vollen Batterie

Viele stellen sich Mana wie eine Autobatterie vor: leer nach einem harten Tag, wieder voll nach einer Meditation oder einem freien Wochenende. Genau nach diesem Bild bin ich monatelang vorgegangen. Falsch war daran nicht der Wunsch nach mehr Energie. Falsch war die Vorstellung, man könne sie sich mit reiner Willenskraft holen.

Die Korrektur, die mir bisher am meisten geholfen hat, klingt fast zu einfach: Lebensenergie steigern heißt zuerst räumen, nicht laden. Solange altes Wasser im Eimer steht, hilft keine neue Blume darin.

Hände einer Floristin beim Binden von Blumen – Huna-Praxis und Erdung im Florist-Alltag.

Warum weniger oft mehr Mana bringt

Eine Zeit lang habe ich mir jeden Sonntag einen eigenen kleinen Strauß gebunden, nur für mich, als festes Ritual gegen die Leere, die nach Ingrids Tod in mir blieb. Es half – aber nur für den Moment. Montags war der Raum in mir wieder so leer wie vorher, und die Anemonen auf meinem Küchentisch welkten schneller, als mir lieb war.

Das Ritual selbst war nicht das Problem. Das Problem war, dass ich es wie eine Pflicht behandelt habe, eine weitere Aufgabe auf einer ohnehin zu langen Liste. Kala, das Huna-Prinzip der Klärung, hat mir gezeigt, dass Energie nicht kommt, weil ich sie einfordere, sondern weil ich aufhöre, sie mit Anstrengung zu blockieren. Manchmal presse ich abends eine Blüte in mein Notizbuch, wenn mir so ein Moment auffällt – kein Kommentar dazu, nur ein Zeichen, dass sich etwas verschoben hat.

Piko-Piko zwischen zwei Rosenbottichen ausprobieren

Die Übung, die im Alltag am meisten trägt, ist unspektakulär. Piko-Piko-Atmen richtet die Aufmerksamkeit kurz auf zwei Punkte – den Scheitel und den Bauchnabel – und braucht weder eine ruhige Ecke noch zehn Minuten Zeit. Letzten Dienstag, als eine Kundin sich zwischen Anemonen und den teuren Pfingstrosen nicht entscheiden konnte und die Schlange bis zur Tür reichte, habe ich es zwischen zwei Handgriffen gemacht: einatmen zum Scheitel, ausatmen zum Bauchnabel, während die Schere durch einen nassen Stiel schnitt – kurz, schräg, mit einem winzigen Widerstand, bevor er nachgab.

Kein Rückzug in einen Nebenraum, kein Rauchbündel, nur ein paar Atemzüge mitten im Trubel. Das war der ganze Unterschied zwischen Erschöpfung und einem Moment, in dem ich wieder spürte, dass meine Hände mir gehören. Was diese Verschiebung mit meinem inneren Gleichgewicht macht, beschreibe ich ausführlicher in dem Text darüber, wie das Pono-Prinzip der Huna-Lehre meinen inneren Frieden stärkt, hier reicht mir festzuhalten, dass Pono für mich weniger mit Harmonie zu tun hat als mit der Frage, ob eine Handlung gerade stimmig ist oder nur gut aussieht.

Gepresste gelbe Hibiskusblüte im Moleskine-Tagebuch als Zeichen für Lebensenergie und spirituelle Entwicklung.

Ein Sonntagsritual reicht allein nicht aus

Mina, die samstags im Laden aushilft, hat mich neulich gefragt, ob ich jetzt eine Art Tankstelle bräuchte – einmal die Woche auftanken, und der Rest läuft von selbst. Ich verstehe, warum das von außen so aussieht. Aber genau das war mein Denkfehler mit dem Sonntagsstrauß: Ein einzelnes Ritual, so schön es ist, ersetzt keine Haltung, die man über den Tag verteilt mitnimmt.

Meine Freundin Romy, die seit Jahren einen eigenen Laden in Oldenburg führt, wird noch immer skeptisch, wenn ich ihr am Telefon von Trommelreisen erzähle – aber sie fragt trotzdem jedes Mal weiter. Genau diese Neugier, ohne sofort zu urteilen, ist für mich selbst schon eine kleine Übung in Kala: erst zuhören, dann urteilen, nicht andersherum.

Zwischen Trommelkreis und Bindetisch bleibt der Unterschied klein

Nach dem letzten Frauenkreis in Worpswede bin ich über den Kiesweg zum Auto gelaufen, und mit jedem Schritt knirschte der Boden so klar unter meinen Sohlen, dass ich wirklich spürte: Er ist da. Fest, kalt, unter mir – nicht nur etwas, über das ich hinweggehe.

Genau dieses Gefühl von Boden unter den Füßen ist es, was Erdung im Kern meint, und genau das fehlt, wenn man Energie nur als etwas behandelt, das man sich von außen holt. Im Laden ist es derselbe unebene Kalksteinboden, auf dem ich beim Gehen aufpassen muss – und diese Aufmerksamkeit auf einen einzigen Schritt liegt näher an Mana als jede Stunde auf einem Meditationskissen.

Schildpattkatze Zwetschge schläft auf dem Fensterbrett im Bremer Viertel – ruhiger Moment im Florist-Alltag.

Die Regel, die bei mir hängengeblieben ist

Wenn mich jemand fragt, wie man die eigene Lebensenergie steigern kann, ohne den Alltag komplett umzukrempeln, sage ich inzwischen dasselbe: zuerst schauen, was gerade Kraft frisst, ohne dass es auffällt, statt sofort etwas Neues obendrauf zu packen. Bei mir war das der Zwang, ein Ritual richtig zu machen. Bei einer Kundin könnte es eine Beziehung sein, die sie glattredet, oder ein Job, den sie schönredet.

Die Übung selbst – ob Piko-Piko, ein bewusster Atemzug am Bindetisch oder ein Schritt über die Kalksteinplatten – wirkt erst, wenn der Raum davor frei ist. Das ist für mich der Unterschied zwischen einer Übung, die auf einer Liste steht, und einer, die wirklich etwas verändert.

Und, so klar wie ich es sagen kann: Wenn die Erschöpfung tiefer sitzt als das, was ein Atemzug lösen kann, gehört sie in die Hände einer Ärztin oder einer approbierten Psychotherapeutin, nicht in ein Huna-Modul.

Diese Haltung – erst klären, dann handeln – ist auch das, was ich meine, wenn ich beschreibe, wie der Aloha Spirit mein Leben im Bremer Viertel verändert: nicht als große Geste, sondern als eine Sekunde Pause, bevor ich auf eine ungeduldige Frage antworte.

Am Ende bleibt bei mir keine fertige Formel, nur eine Gewohnheit, die sich einschleift: erst prüfen, wo die Energie gerade hinfließt, dann erst neue Übungen aufsatteln. Kein Wunder, keine Batterie, die für immer voll bleibt. Nur ein bisschen mehr Klarheit an einem gewöhnlichen Dienstag im Laden.

Mal kurz:
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