
Es war einer dieser grauen Dienstage im Maerz, an denen der Nieselregen im Bremer Viertel gar nicht mehr aufhoeren will. Ich stand gerade an meinem Bindetisch, die Haende noch feucht vom Anschnitt eines frischen Bunds Eukalyptus, als die Messingglocke an der Tuer hell auflaeutete. Ein Stammkunde kam herein, einer von denen, die seit Jahren ihre Freitagsstraeusse bei mir holen. Mein schwarzes Moleskine-Notizbuch lag offen neben der Kasse – ich hatte gerade eine Skizze von meiner letzten Trommelreise beendet. Als er sich ueber den Tresen lehnte, um den Duft der Ranunkeln einzuatmen, spuerte ich dieses ploetzliche, heisse Brennen in meinen Wangen. Hastig schob ich den Eukalyptus ueber das Buch, um die gepressten Anemonen und die Notizen ueber die Ahnenarbeit zu verdecken. Ich wollte nicht, dass er fragt. Ich wollte nicht erklaeren muessen, was ich da tue.
Bevor ich dir erzaehle, warum ich diesen Teil meines Lebens so oft fuer mich behalte, ein kurzer Hinweis: In diesem Text teile ich meine ganz persoenliche Reise. Ich bin keine Heilerin oder Therapeutin. Wenn du selbst unter tiefer Trauer oder psychischen Belastungen leidest, such bitte immer erst das Gespraech mit deinem Hausarzt oder einer approbierten Psychotherapeutin. Dieser Beitrag enthaelt auch Affiliate-Links zu Programmen, die ich selbst gebucht habe. Wenn du darueber etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, aber fuer dich bleibt der Preis gleich. Ich empfehle nur, was ich wirklich in meinem Moleskine dokumentiert habe. Hier findest du meine volle Offenlegung.
Zwischen Blumenwasser und Clanmuettern
Seit 13 Jahren fuehre ich nun meinen kleinen Laden. 13 Jahre, in denen ich gelernt habe, wie man Rosen dornenfrei macht und wie man Kraenze fuer Beerdigungen bindet, die Trost spenden sollen, ohne zu schwer zu wirken. Aber seit dem Tod meiner Mutter Ingrid im Maerz 2024 ist alles anders. Bauchspeicheldruesenkrebs ist ein Dieb, der einem keine Zeit laesst. Sieben Wochen nach der Diagnose war sie weg. Ich dachte, ich kenne mich mit dem Tod aus, schliesslich arbeite ich jeden Tag mit Trauerfloristik. Aber das Ritual der anderen zu begleiten ist etwas ganz anderes, als selbst in diesem leeren Raum zu stehen.
Jetzt, im September 2026, stecke ich mitten im zweiten Monat meiner ersten strukturierten Online-Ausbildung. Es ist das Programm POWER OF LOVE, das mich durch dieses Jahr begleitet. Es ist ein seltsamer Kontrast: Tagsueber habe ich die Haende tief in der Erde oder im eiskalten Blumenwasser, und abends sitze ich am Laptop und hoere von den 13 Clanmuettern, die mir etwas ueber weibliche Urkraft und Heilung erzaehlen sollen. Es ist eine Welt, die sich so weit weg von meinem Alltag im Viertel anfuehlt, und doch ist sie der einzige Grund, warum ich morgens ueberhaupt noch die Messingglocke aufschliesse.

Die Angst vor dem mitleidigen Laecheln
Warum verheimliche ich es also? Hier im Viertel kennt man sich. Man redet ueber Blattlaeuse, den Boden-pH-Wert oder die neuesten Gentrifizierungsschuebe in der Nachbarschaft. Aber wenn ich erzaehlen wuerde, dass ich samstags manchmal nach Worpswede fahre, um dort in einem Kreis von acht Frauen zu trommeln, wuerden mich die meisten wohl nur schraeg ansehen. Ich habe es einmal versucht. Ich habe einer Nachbarin von meiner ersten Trommelreise berichtet – davon, wie ich meine Mutter auf einer Lichtung getroffen habe. Sie sah mich mitleidig an, so als haette die Trauer meinen Verstand vernebelt. Ich habe sofort das Thema gewechselt und ueber den richtigen Duenger fuer Hortensien referiert. Dieses Gefuehl der Ausgrenzung, das Wissen, dass man in eine Schublade gesteckt wird, in die man eigentlich gar nicht passt, schmerzt.
Ich bin keine Energetikerin, die mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt laeuft. Ich bin Helene, die Floristin, die abends auf dem Kuechenfensterbrett neben ihrer 15-jaehrigen Katze Zwetschge sitzt und versucht zu verstehen, warum sich ihr Herz so schwer anfuehlt. Die Ausbildung gibt mir eine Struktur, die ich allein nicht gefunden haette. Es ist wie beim Binden eines grossen Strausses: Wenn man keinen Rahmen hat, faellt alles auseinander. In meinem Moleskine liegen inzwischen ueber 20 getrocknete Blueten. Jede steht fuer einen Moment, der mich in der Ausbildung getroffen hat. Eine Anemone fuer die Klarheit, die ich manchmal nach einer Meditation spuere. Ein Eukalyptuszweig fuer die harten Wochen, in denen ich fast abgebrochen haette.
Wenn die Uebung im Sand verlaeuft
Es klappt naemlich nicht immer alles. Es gibt Abende, da sitze ich vor dem Bildschirm, waehrend Zwetschge mich fragend ansieht, und ich spuere – gar nichts. Ich versuche mich auf meinen Energiekoerper zu konzentrieren, aber im Kopf gehe ich nur die Bestellung fuer die Pfingstrosen am naechsten Morgen durch. Letzte Woche gab es eine Uebung zur Ahnenarbeit, bei der wir uns mit der Kraft unserer Vorfahrinnen verbinden sollten. Ich sass da, die Augen geschlossen, bereit fuer eine grosse Vision. Und was passierte? Nichts. Nur das ferne Rauschen der Strassenbahn draussen vor meinem Fenster. In solchen Momenten zweifle ich an allem. Ich frage mich, ob ich dieses Geld monatlich umsonst ausgebe, einen Betrag, den ich mir eigentlich gar nicht leisten sollte.
Aber dann ist da dieser Moment, wenn ich nachts mein Notizbuch aufschlage. Der staubige Geruch von getrocknetem Eukalyptus steigt auf, wenn die Seiten knistern, und ploetzlich faellt mir wieder ein, warum ich das mache. Es geht nicht darum, sofort perfekt 'schamanisch' zu sein. Es geht darum, meinen Schmerz endlich anzunehmen, anstatt ihn nur in Blumenpapier einzuwickeln. Die Struktur des Programms hilft mir dabei, nicht im Chaos meiner Gefuehle zu versinken. Auch wenn ich im Laden so tue, als waere alles beim Alten, hat sich in mir etwas bewegt.

Der Schutzraum der Geheimhaltung
Ich habe begriffen, dass die Geheimhaltung im Moment mein Schutzraum ist. In einer Welt, die alles sofort bewerten und in Kategorien einteilen will, ist meine Ausbildung mein privater Garten. Niemand trampelt auf den jungen Trieben herum, niemand fragt nach dem Ertrag. Ich lerne dort Dinge, die ich im Viertel nicht erklaeren kann, ohne dass es kitschig oder 'abgehoben' klingt. Zum Beispiel, wie man die Lebensenergie wahrnimmt – etwas, das mir als Floristin eigentlich total vertraut ist, aber durch die schamanische Arbeit eine ganz neue Tiefe bekommt. Wenn du dich auch fragst, wie das geht, habe ich dazu schon mal etwas geschrieben: Wie man die Lebensenergie von Blumen bewusster wahrnimmt.
Manchmal, wenn die Messingglocke geht und ich gerade heimlich eine Uebung skizziere, fuehle ich mich wie eine Spionin in meinem eigenen Leben. Aber dieser kleine Nervenkitzel gehoert wohl dazu. Es ist mein Weg, den leeren Raum zu fuellen, den Ingrid hinterlassen hat. Die 13 Clanmuetter im Jahresprogramm sind wie die Begleiterinnen, die ich in meiner Familie nicht mehr habe. Sie ersetzen keine Mutter, aber sie halten den Raum, waehrend ich lerne, wieder allein zu stehen.

Das Risiko und die monatliche Abbuchung
Natuerlich gibt es diesen kurzen Moment des Zweifels, jedes Mal, wenn die monatliche Ratenzahlung von meinem Konto abgeht. Ich rechne dann kurz im Kopf aus, wie viele Straeusse ich dafuer binden muss. Aber dann sehe ich Zwetschge auf dem Fensterbrett liegen, die so viel ueber das einfache Sein weiss, ohne jemals einen Kurs besucht zu haben. Ich habe ueber sie und ihre Weisheit auch schon mal nachgedacht: Was meine alte Katze mir über das Loslassen beibringt. Sie braucht keine Zertifikate, und vielleicht brauche ich sie am Ende auch nicht.
Ich weiss noch nicht, was ich am Ende des Jahres mit all dem anfangen werde. Werde ich eine Zeremonie fuer meine Mutter halten? Werde ich meinen Laden anders fuehren? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass die spirituelle Ausbildung fuer mich kein Hobby ist, sondern eine Notwendigkeit. Es ist wie bei einer Pfingstrose: Man sieht lange nur den harten, gruenen Kopf, und man denkt, da passiert gar nichts. Und dann, fast ueber Nacht, bricht sie auf. So fuehle ich mich gerade – noch geschlossen, noch ein bisschen fest, aber mit dem Wissen, dass die Kraft zum Bluehen schon da ist.

Ein Schritt zurueck
Wenn ich heute Abend mein Moleskine schliesse und die letzte gepresste Bluete dieser Woche hineinlege, spuere ich eine tiefe Ruhe. Vielleicht werde ich es irgendwann den Menschen im Viertel erzaehlen. Vielleicht werde ich offen dazu stehen, dass ich Trommelreisen mache und an die Kraft der Ahnen glaube. Aber bis dahin geniesse ich die Stille meines kleinen Ladens und das Wissen, dass Heilung Zeit braucht. Wenn du selbst nach einem Halt suchst, der ueber das Sichtbare hinausgeht, schau dir das Programm der Clanmuetter ruhig einmal an. Es ist kein einfacher Weg, und es kostet Kraft, aber fuer mich ist es der Weg zurueck ins Licht.
Ich bin kein Profi, ich habe keine medizinische Ausbildung und ich verspreche dir keine Wunderheilung. Aber ich kann dir sagen: Es hilft, nicht allein zu sein. Falls dir das hawaiianische Lebensgefuehl eher liegt, koennte auch A TOUCH OF ALOHA ein interessanter Pfad sein, auch wenn ich mich selbst fuer die Clanmuetter entschieden habe. Wichtig ist nur, dass du auf dein Herz hoerst – so wie ich es an jenem Sonntagabend getan habe, als ich mich zum ersten Mal angemeldet habe. Wir sehen uns im Viertel, vielleicht erkennst du mich ja jetzt an dem kleinen schwarzen Buch unter dem Eukalyptus.
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