
Die Kupfereimer am Schaufenster fangen das Licht, sobald ich morgens die Jalousie hochziehe – für ein paar Sekunden sieht der ganze Laden aus, als hätte jemand ihn extra für mich schön gemacht. Kein Kunde ist da, nur ich und das Licht auf dem Kupfer. Genau in solchen Momenten merke ich, wie viel sich seit dem letzten Sommer verschoben hat, zwischen der Trauerbewältigung, die ich beruflich täglich in die Hände nehme, und der schamanischen Reise, in der ich seit Monaten in einem Jahresprogramm stecke, ohne dass ich sie in Kränzen oder Schleifen fassen könnte.
Bevor es weitergeht, kurz das Nötigste: In diesem Text stecken Affiliate-Links zu einem Kurs, den ich selbst gerade durchlaufe. Wenn du darüber buchst, bekomme ich eine Provision, an deinem Preis ändert sich nichts. Ich bin Floristin, keine Ärztin und keine Rechtsberaterin, also lies dir die Bedingungen der Anbieter in Ruhe selbst durch, bevor du dich für ein langes Programm entscheidest.
Der leere Raum, den ich nicht kommen sah
Ich führe meinen Laden schon eine ganze Weile, lange genug, um das Geräusch der Messingglocke über der Tür auswendig zu kennen und zu wissen, wie sich kaltes Blumenwasser im Januar anfühlt. Trauerfloristik ist für mich Alltag, ich binde Kränze und weiß, welche Schleife zu welchem Anlass passt. Als meine Mutter Ingrid im März 2024 an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb, sieben Wochen nach der Diagnose, kaum Zeit zum Vorbereiten, glaube ich zuerst, ich hätte einen Vorsprung. Ich kenne doch die Rituale. Aber in mir ist kein Kranz. Da ist nur ein leerer, kalter Raum, für den ich keine Blume habe.
Im August 2024 habe ich das erste Mal bei einer Schamanin in Worpswede gesessen, nur für eine einzelne Sitzung, weil eine Stammkundin es mir ans Herz gelegt hatte. Ich habe danach nicht gewusst, was genau passiert ist, aber es hat sich angefühlt, als hätte jemand ein Fenster im leeren Raum einen Spalt weit aufgestoßen. Die innere Leere, von der im Kurs später oft die Rede ist, hat bei mir schon damals genau diese Form gehabt: ein Zimmer, das ich nicht betreten wollte. Trauerintegration klingt in den Kursunterlagen nüchterner, als sie sich anfühlt – im Kern ist es der Versuch, den Verlust nicht wegzuräumen, sondern ihn ins Leben mit hineinzunehmen.
Seit Februar bin ich nun in POWER OF LOVE, einem strukturierten Jahresprogramm von Thomas Young mit den 13 Clanmüttern als tragendem Gerüst. Es kostet mich jeden Monat mehr, als ich als kleine Floristin eigentlich guten Gewissens ausgeben sollte, aber es ist die erste Investition in mich selbst, die sich nicht nach Luxus anfühlt, sondern nach einer Art Überleben. Ausbildungsinvestition ist ein Wort aus dem Kursmaterial, aber bei mir hat es weniger mit der Abbuchung jeden Monat zu tun als mit dem Zugeben, dass ich überhaupt Hilfe brauche.

Wenn die Trommel lauter wird als der Kopf
Nicht jede Übung gelingt. Oft sitze ich auf dem Teppich im Wohnzimmer, den Laptop auf einem Stapel alter Blumenkataloge, und komme mir albern vor. Ich versuche, eine schamanische Reise zu machen, mein Krafttier zu finden oder mit den Ahnen zu sprechen, aber im Kopf gehe ich nur die Pfingstrosen-Bestellung für Montag durch oder ärgere mich über das undichte Dach im Laden.
In der sechsten Woche des Programms ist ein Abend anders, ohne dass ich vorher irgendetwas dafür getan hätte. Die Trommelaufnahme läuft über die Kopfhörer, ein gleichmäßiger, schneller Takt, und plötzlich ist da mehr als nur Geräusch. Eine Wärme setzt in der Brustmitte ein, genau dort, wo seit zwei Jahren dieser kalte Stein liegt. Kein Licht, keine Erscheinung, eher, als würde ein festsitzendes Gelenk nach langer Zeit mit einem leisen Ruck wieder nachgeben. Ich sehe meine Mutter, aber nicht krank im Krankenhausbett, sondern wie sie früher im Garten stand, die Hände in der Erde, genau wie meine jetzt im Laden.
Trommelpraxis ist inzwischen der Teil des Programms, an dem ich am wenigsten zweifle, auch wenn ich vorher nie weiß, was in einer bestimmten Sitzung passiert. Ob sich dabei auch meine Hellsinne schärfen, kann ich nicht sicher sagen – ich weiß nur, dass ich den Unterschied zwischen einer frischen und einer schon müden Ranunkel manchmal spüre, bevor ich sie überhaupt richtig anfasse. Was Körperliche Symptome bei spiritueller Entwicklung angeht, kenne ich inzwischen mein eigenes Muster: bei mir ist es die Hitze im Brustkorb, nicht Tränen, nicht Zittern.
Die 13 Clanmütter: was diese Jahresprogramm-Erfahrung eigentlich trägt
Die 13 Clanmütter geben dem Ganzen eine Struktur, an der ich mich festhalten kann, wenn ich mich zwischen den Welten verliere. Es ist ein bisschen wie beim Binden eines großen Straußes: Die festen Zweige in der Mitte halten alles zusammen, damit die zarten Blüten außen nicht wegknicken.
Neulich, am Bindetisch, hat Mina, meine Wochenend-Aushilfe, mir das Wort Trauma so erklärt, dass es zum ersten Mal wirklich stimmte – nicht als Diagnose, einfach als das, was mit einem Körper passiert, der zu lange zu viel halten musste. Ich habe die Ranunkeln in der Hand liegen lassen und einfach nur zugehört.
Nicht alles davon hilft. Eine Zeit lang habe ich sonntagabends jede Woche einen Strauß nur für mich selbst gebunden, ein kleines Ritual, weil ich mir gesagt habe: Was ich beruflich am besten kann, muss doch auch mich selbst erreichen. Es hat geholfen, für den Abend. Am Montag ist das Loch wieder da, unverändert.
Von der Huna-Lehre habe ich im Frauenkreis gehört, aber das ist nicht mein Weg, jedenfalls noch nicht. Das Kapitel zur Manifestation habe ich bisher am ehesten übersprungen – Wünsche aufschreiben fühlt sich für mich noch fremd an, während nebenan die Kühlzelle wieder klemmt. Alltagsintegration dagegen ist für mich am Ende simpler, als das Wort klingt: eine Blüte pressen, bevor der nächste Kunde durch die Tür kommt, mehr nicht.

Vorsicht ist kein Rückzug
In den letzten Monaten merke ich, auch durch den Austausch im Frauenkreis in Worpswede, dass dieses Bewegen auch kippen kann. Wenn sich tiefe Schichten lösen, braucht es festen Boden unter den Füßen. Ich bin Floristin, keine Therapeutin, aber ich sehe in diesen Kreisen manchmal Frauen, die instabiler wirken, nicht ruhiger. Energetischer Schutz war für mich lange nur ein Wort aus dem Kursordner, bis mir aufgefallen ist, dass ich manchmal die Ladentür kurz zumache, bevor mich der nächste Trauerauftrag ganz einnimmt. Schattenarbeit klingt nach großem Drama, ist bei mir aber meistens nur das Zugeben, dass mich eine schlecht gelaunte Kundin manchmal mehr trifft, als sie sollte.
Wenn mir dafür die Worte fehlen, rufe ich Romy an, eine alte Kollegin aus meinen ersten Floristik-Jahren, die heute in Oldenburg einen eigenen Laden führt. Wir schreiben uns selten, aber einmal im Jahr kommt von ihr ein langer Brief statt der sonst üblichen kurzen Nachrichten, und der letzte ist genau in der Woche gekommen, in der ich ihn am meisten gebraucht habe.
Sonntags laufe ich oft den Osterdeich entlang der Weser, das Wasser trüb vom Regen der letzten Tage, und lasse die Gedanken neben mir herlaufen, ohne sie zu sortieren. Erdung ist bei mir seltener die vorgeschriebene Übung aus dem Kursmaterial als genau so ein Moment am Wasser.
Wie Haustiere unsere spirituelle Entwicklung begleiten, merke ich fast täglich an Zwetschge – sie spürt es, wenn ich nach einer Reise zu weit weg bin, und holt mich mit einem kräftigen Miauen zurück ins Hier und Jetzt.
Eine spirituelle Ausbildung ersetzt keine Therapie. Wenn du unter schweren Depressionen leidest oder merkst, dass dir der Alltag entgleitet, sprich bitte mit deinem Hausarzt oder einer approbierten Psychotherapeutin. Übungen zur Herzöffnung können viel in Bewegung bringen, mehr, als man an einem einzelnen Abend verarbeiten kann, und das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Grund, langsamer zu machen.
Das Bewegen nach einer Sitzung ist kein Sprint. Es ist eher wie eine Amaryllis in der dunklen Ecke, die irgendwann, wenn man es fast vergessen hat, plötzlich einen dicken grünen Stiel schiebt. Ziehen hilft nicht. Man kann nur den Raum halten und warten.
Jeden Sonntag wieder ans Moleskine
Ich bin jetzt sechs Monate in diesem Programm, mit Wochen der Überforderung und ein paar kleinen Momenten der Gnade dazwischen. Neulich habe ich eine alte Schere meiner Mutter benutzt und musste nicht weinen, sondern konnte lächeln. Ahnenheilung ist für mich ein großes Wort für etwas ziemlich Einfaches: noch einmal im selben Raum sein wie meine Mutter, und sei es nur für die Dauer einer Trommelreise.
Mein Moleskine, mit inzwischen über zwanzig gepressten Blüten zwischen den Seiten, ist so etwas wie ein spirituelles Tagebuch geworden, auch wenn ich das Wort nie benutzt hätte, bevor ich es im Kurs gelesen habe. Wie die Power of Love Übungen mir bei Erschöpfung helfen, kann ich schwer in einem Satz zusammenfassen, aber es hat mit einer inneren Erlaubnis zu tun: dass alles da sein darf, auch die Trauer, solange sie nicht mehr alles einfriert.
Wenn du selbst das Gefühl hast, festzustecken, und offen für einen längeren Prozess bist, schau dir POWER OF LOVE ruhig einmal an. Es ist kein schneller Fix, und es verlangt einiges, auch finanziell, aber für mich ist es gerade der Weg, den leeren Raum in mir mit etwas Neuem zu füllen, statt ihn nur mit Blumen zuzudecken.
Eine Sache nehme ich aus jeder Sonntagsnotiz mit: Einen leeren Raum kann man nicht erzwingen zu füllen, aber man kann anfangen, überhaupt wieder hinzugehen. Morgen ist Montag, und ich nehme mir wie jede Woche eine frische Pfingstrose für den Bindetisch mit, als Erinnerung daran, dass sich Dinge in ihrem eigenen Tempo entfalten dürfen, auch wenn ich das Tempo nicht bestimme.
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