
Ein Räucherbündel muss angezündet und vorbereitet werden, eine Katze auf dem Schoß nicht. Genau in diesem Unterschied liegt für mich, warum Tiere als spirituelle Begleiter im Alltag oft mehr bewirken als jede Übung mit Vorbereitung. Sie sind der kürzeste Weg zurück in den Körper, den ich kenne, und ein Kernstück dessen, was ich unter Alltagsspiritualität verstehe.
Kurz vorweg, weil es fair ist: In diesem Text verlinke ich unter anderem zu dem Jahresprogramm, mit dem ich gerade meine eigene Power-of-Love-Erfahrung mache, und zu ein paar weiteren Artikeln von mir. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, am Preis für dich ändert sich nichts. Ich bin keine Ärztin, keine Therapeutin und keine Tierärztin – nur eine Floristin, die seit dem Tod ihrer Mutter in eigener Trauerbewältigung steckt und aufschreibt, was sie dabei mit ihrer Katze erlebt. Mehr dazu in meiner Offenlegung.
Warum erdet ein Tier schneller als jede Übung?
Meine Katze Zwetschge, eine fünfzehnjährige Schildpatt-Dame, macht seit Jahren dasselbe: Sie legt sich genau dann auf meinen Schoß oder mitten auf meine Notizen, wenn mein Kopf am weitesten weg ist vom Rest von mir. Erdung als Begriff wird oft kompliziert erklärt, bei einem Tier braucht es keine Erklärung, nur einen Blick, der auf dich gerichtet ist und nichts von dir will.
Wer keine Katze, sondern einen Hund hat, kennt eine andere Version desselben Effekts: ein Spaziergang am Osterdeich entlang der Weser, bei dem das Tier stehen bleibt, schnuppert, einfach da ist, und du merkst erst danach, dass dein Kopf für ein paar Minuten still war. Der Mechanismus ist bei Hund und Katze derselbe. Die Aufmerksamkeit eines Tieres kennt keine Zukunft und keine Vergangenheit, nur den Moment, in dem es gerade steht.

Ritual mit Vorbereitung, Tier ohne Vorlauf
In meinem POWER OF LOVE-Programm arbeite ich mit Übungen, die Vorbereitung brauchen. Eine schamanische Reise, bei uns oft Trommelreise genannt, setzt Ruhe, Zeit und einen freien Kopf voraus, was an manchen Abenden schlicht nicht drin ist. Ein Tier verlangt nichts davon, es unterbricht die Vorbereitung sogar gern, und genau darin steckt eine andere Lektion als die, die das Programm selbst vermittelt.
Ich presse seit einer Weile Blüten in mein spirituelles Tagebuch – das ist eine eigene Übung, die an anderer Stelle mehr Raum verdient als hier. An erschöpften Abenden greife ich lieber zu den Power of Love Übungen bei Erschöpfung, die kürzer sind als eine ganze Trommelreise und sich eher an den Tag anpassen als umgekehrt.
Erkenne, wann Nähe zu viel wird
Es gibt aber auch die andere Seite: Wenn die ständige Anforderung eines Tieres dich überreizt statt zu erden, ist das kein Zeichen, dass mit dir etwas nicht stimmt. Bevor du reagierst, lohnt sich ein Blick darauf, worauf dein Tier eigentlich reagiert – ein Geräusch, eine Stimmung im Raum, eine Person an der Tür, oft bevor du selbst etwas wahrnimmst. Manche nennen diese Art von Wahrnehmung Hellsinne, ein eigenes Trainingsfeld, das hier nur am Rand erwähnt sei.
Auch bei dir selbst lohnt der Blick: In welchem Moment setzt sich dein Tier zu dir, ohne dass du es rufst? Oft markiert das einen Zustand in dir, den du selbst noch nicht bemerkt hast. Manche würden das mit Schattenarbeit verbinden, ein Feld für sich, das an anderer Stelle mehr trägt als ein paar Sätze hier.
Wenn Nähe zu viel wird, ist energetischen Schutz zu suchen kein Rückzug aus der Beziehung zum Tier, sondern die Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt trägt. Auch das hat mit Herzöffnung zu tun, auch wenn das Thema hier zu kurz kommt, um ihm gerecht zu werden.
Wie viel Struktur so ein Weg über ein ganzes Jahr tragen kann, lässt sich eher in einem strukturierten Programm nachvollziehen: Hier kannst du dir das Programm genauer ansehen, mit dem ich selbst gerade unterwegs bin.

Trauerbewältigung: Ein Tier kann die Leere nicht füllen
Ein Tier kann die Leere nach einem echten Verlust nicht füllen, so sehr ich mir das manchmal gewünscht hätte. Ich habe das eine Zeit lang mit Wein probiert, abends, wenn die Stille nach Ingrids Tod zu groß wurde – das hat eine Weile funktioniert, bis es das nicht mehr tat und ich mehr davon brauchte, als mir lieb war. Zwetschge auf dem Schoß hat diese Leere nie gefüllt, sie hat sie nur begleitet – ein Unterschied, der für die eigene Trauerbewältigung mehr zählt, als es zunächst klingt.
Innere Leere nach einem Verlust und Trauerintegration als längerer Prozess sind eigene Themen, die weit über ein einzelnes Tier hinausgehen. Meine Stammkundin Inke Glandorf sagt dazu selten viel, sie sitzt lieber einen Moment im Laden, bevor sie weitergeht. Neulich erwähnte sie beiläufig, dass es der Hund ihres Nachbarn war, der sie nach einem schweren Jahrestag wieder zum Reden gebracht hat. Manche lesen solche Zufälle auch als Zeichen von Verstorbenen, Ahnenheilung im engeren Sinn ist wieder ein eigenes Kapitel, das an anderer Stelle behandelt wird.

Nutze die Übung, die du schon hast
Es gibt Morgen, an denen ich irgendwo die Jalousien hochziehe und das Licht für ein paar Sekunden genau richtig auf dem Wasser liegt, in dem die Anemonen stehen, ohne dass ich etwas dafür getan hätte. Bei einem Tier passiert dieselbe Art von unverdientem Moment mehrmals am Tag, nur dass du dafür nicht einmal Jalousien bedienen musst.
Alltagsintegration als eigenes Prinzip beschreibe ich an anderer Stelle ausführlicher, hier reicht die kurze Version: Du brauchst keine neue Übung, um spirituell präsenter zu werden, wenn ein Tier bei dir lebt, du brauchst nur die Bereitschaft, den Moment zu bemerken, den es dir sowieso schon anbietet. Es gibt Traditionen, die das Verhältnis zu Tieren noch einmal anders denken – die Huna-Lehre zum Beispiel hat einen eigenen Blick darauf, den Thomas Young in A TOUCH OF ALOHA beschreibt, einem Format, das ich mir selbst noch anschauen will, wenn neben den Clanmüttern wieder Platz dafür ist.
Was bleibt, wenn du nur eine Sache mitnimmst: Prüfe bei deinem eigenen Tier, ob seine Nähe dich erdet oder nur ablenkt – das ist keine Frage von Technik, sondern von genauem Hinsehen, und die Antwort kann sich von Mal zu Mal unterscheiden.
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