
Über zwanzig getrocknete Blüten liegen inzwischen zwischen den Seiten meines Moleskine, jede für einen Moment, der mich aus der Spur geworfen hat. Ich zähle sie selten nach, aber heute Abend tue ich es, während der Regen gegen die Scheibe meiner Altbauwohnung im Viertel schlägt und Zwetschge auf dem Fensterbrett döst. Was ich in meiner spirituellen Ausbildung über die Huna-Prinzipien lerne, soll mir helfen, die Energie der Natur wieder zu spüren, aber es ist mindestens genauso oft einfach nur Trauerarbeit, mitten in Bremen, mit kalten Händen am Bindetisch.
Seit ein paar Wochen begleitet mich dabei A TOUCH OF ALOHA, ein einjähriges Online-Programm zu den hawaiianischen Huna-Prinzipien, ein Affiliate-Link, an dem ich verdiene, wenn du darüber buchst, ohne dass sich dein Preis ändert. Es ist teuer für mein Ladenbudget, aber es ist der erste Weg seit Ingrids Tod, der sich nicht nach bloßem Funktionieren anfühlt.
Bevor du selbst über eine einjährige, monatlich kostende Ausbildung nachdenkst, lies die Vertragsbedingungen beim Anbieter Thomas Young genau, ich bin Floristin, keine Rechtsberaterin und keine Ärztin, ich suche nur meinen eigenen Weg durch die Trauer.
Huna-Prinzipien am Bindetisch: Wohin die Aufmerksamkeit geht
Die Huna-Philosophie kommt aus Hawaii, und ich bin noch mitten im Lernen, keine Lehrerin davon.
Samstagvormittag, die Messingglocke klingelt im Minutentakt, und ich merke, wie leicht der Blick auf die Schlange der Kundschaft ausweicht statt auf die einzelne Pfingstrose in meiner Hand. Makia heißt: Energie folgt der Aufmerksamkeit. Also zwinge ich den Blick zurück auf den Stiel, auf den Winkel, auf das eine Blatt, das gerade nicht passt.
Hawaii ist weit weg von Bremen, und die Energie der Weser im Regen ist eine andere als die einer Bucht auf Kauai, aber genau das macht die Prinzipien für mich glaubwürdig: Sie funktionieren auch hier, im Norddeutschen, im Nieselregen, nicht nur im Sonnenuntergang.
Ich lerne gerade, Geduld zu haben, wenn spirituelle Fortschritte im Alltag auf sich warten lassen, und Makia ist dafür ein tägliches, kleines Training, keine große Erleuchtung.

Muss sich Naturverbindung eigentlich immer sanft anfühlen?
Im Programm klingt vieles nach Harmonie, nach Aloha, nach Fließen. Aber wenn ich im Laden eine Rose entdorne, gibt es Widerstand, keine Sanftheit. Reibung gehört dazu.
Letzten Donnerstag habe ich eine Erdungsübung mitten am Nachmittag abgebrochen. Ich sollte die Füße auf den kühlen Kalksteinplatten spüren und mir vorstellen, wie Wurzeln aus den Sohlen wachsen, stattdessen habe ich nur an die Bestellung gedacht, die noch fertig werden musste, und irgendwann aufgehört, mir kam es albern vor. Nicht jede Übung trägt Frucht, nur weil sie im Kursplan steht.
Was mir eher hilft, ist die Ahnenarbeit an einzelnen Abenden, nicht als große Zeremonie, sondern als kurzer Moment, in dem ich an Ingrid denke, ohne sie festzuhalten oder loszulassen. Manchmal kommt dabei auch Wut hoch, unbequeme Gefühle, die eher zur Schattenarbeit gehören als zu irgendeiner Art von Frieden.
Als hochsensible Floristin, die den ganzen Tag fremde Trauer durch die Tür trägt, merke ich außerdem, wie wichtig energetischer Schutz für mich geworden ist, auch wenn ich früher über das Wort gelacht hätte.
Das Programm A TOUCH OF ALOHA hilft mir vor allem dabei, genau solche unbequemen, nicht perfekt fließenden Momente ernst zu nehmen, statt sie wegzudrücken.

Ein Wochenende im Kloster, das nichts brachte
Vor Ingrids Tod habe ich schon einmal versucht, mit organisierter Stille gegen eine ähnliche Leere anzugehen: ein Wochenende in einem Yogakloster in der Eifel, Schweigen, früh aufstehen, Meditation im Halbdunkel. Ich bin danach nach Hause gefahren und habe im Auto geweint, ohne zu wissen, warum. Keine Klarheit, kein Ritual, das gepasst hätte, nur Tränen und das Gefühl, am falschen Ort nach der falschen Sache gesucht zu haben.
Die innere Leere, die nach dem Tod meiner Mutter blieb, lässt sich offenbar nicht mit einem einzigen Wochenende stopfen, egal wie still das Kloster ist.
Am Telefon erzähle ich das später auch Romy, einer Kollegin aus meiner Ausbildungszeit, die heute selbst einen Laden in Oldenburg führt. Wenn ich von Trommelreisen oder Krafttieren erzähle, wird sie regelmäßig ungläubig, fragt nach, lacht kurz auf, bleibt am Ende aber doch neugierig genug, um weiterzufragen.
Was mir stattdessen hilft, ist eher unspektakulär: die Seite im Tagebuch am Sonntagabend, die gepresste Blüte am Montag danach, das langsame Einweben von alldem in einen ganz normalen Werktag zwischen Rechnungen und Lieferungen.
Mina, die freitags und samstags im Laden aushilft und nebenbei Sozialpädagogik studiert, bringt mir neulich unaufgefordert eine Thermoskanne Fenchel-Zimt-Tee mit, weil ich wohl erschöpft aussah. Wir reden kurz über Trauerintegration, ihr Wort, nicht meins, und darüber, dass es dafür offenbar keinen Endpunkt gibt, nur unterschiedlich lange Phasen dazwischen.
Einen Schritt zurücktreten und die Proportionen prüfen
Wenn ich einen Strauß binde, trete ich zwischendurch zurück, um zu sehen, ob die Proportionen stimmen. Beim Programm mache ich das inzwischen auch.
Es ist die fünfte Woche im Programm, ein gewöhnlicher Dienstagnachmittag, als ich am Bindetisch stehe und merke, dass ich vor mich hin summe, ein altes Lied, das Ingrid in der Küche gesungen hat, wenn sie kochte. Zum ersten Mal seit ihrem Tod tut das Erinnern nicht weh.
Pono, das siebte Prinzip, sagt sinngemäß: Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit. Am Bindetisch verstehe ich das besser als am Bildschirm, nicht weil ich es erklären kann, sondern weil ich spüre, ob etwas stimmt oder nicht.
Ich habe überlegt, stattdessen mit POWER OF LOVE zu starten, dem anderen Jahresprogramm mit den 13 Clanmüttern, die weibliche Linie darin hätte mich nach Ingrids Tod wahrscheinlich sofort gepackt. Aber im Moment brauche ich eher die Weite von Hawaii als die Struktur der Clanmütter, auch wenn das vielleicht später dran ist.
Ob mir die Power of Love Übungen später bei meiner Erschöpfung im Alltag helfen, weiß ich noch nicht.
Vor der Ladenöffnung gehe ich manchmal eine Runde durch den Bürgerpark, einfach um den Kopf freizubekommen, bevor die Glocke zum ersten Mal klingelt.
Genau dort merke ich, wie sich meine Hellsinne trainieren und meine Wahrnehmung im Alltag schärfen lassen, nicht plötzlich, sondern Schicht für Schicht, wie beim Entfernen alter Blätter von einem Rosenstiel.

Was am Ende bleibt, wenn der Laden zu ist
Was der Kurs 'Herzöffnung' nennt, fühlt sich bei mir selten dramatisch an.
Öfter ist es eine warme Schwere in der Brust, wenn ein Strauß fertig ist und genau richtig aussieht, oder wenn Zwetschge sich an mein Bein drückt, während ich abwasche.
Morgens, bevor die ersten Kundinnen kommen, beschlägt manchmal das Glas der Kühlzelle im ersten Licht, und für ein paar Minuten verschwimmt alles dahinter, bevor der Tag richtig losgeht, ein kleines, unwichtiges Bild, das trotzdem hängen bleibt, so wie manche Sätze aus dem Kursmodul hängen bleiben, obwohl sie beim ersten Hören banal klangen.
Eine Heilerin bin ich nicht, und auch keine Ersatz-Therapeutin, wenn deine Trauer dich erdrückt, sprich bitte mit deiner Hausärztin oder einer Psychotherapeutin, das kann mir kein Modul abnehmen.
Was ich nach fünf Wochen für mich mitnehme, ist etwas Kleineres: dass ich die Aufmerksamkeit selbst lenken kann, auch an Tagen, an denen alles nach Leere aussieht, und dass diese Lenkung den Schmerz nicht wegmacht, sondern ihn tragbar macht.
Wenn dir das gerade fehlt, schau dir A TOUCH OF ALOHA vielleicht selbst mal an, nicht als Lösung, sondern als ein möglicher Anfang, so wie er es für mich war.
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