Das Bluetentagebuch

Umgang mit dem Gefühl der Überforderung während einer spirituellen Ausbildung

In der Halle des Bremer Großmarkts in Mahndorf riecht es nach nassem Karton, kalten Nelkenstielen und dem Diesel der Lieferwagen draußen. Genau zwischen Eimern und Preisschildern wird mir jedes Mal klar, wie wenig meine spirituelle Ausbildung mit den ruhigen Bildern zu tun hat, die ich mir am Anfang davon gemacht hatte. Überforderung gehört für mich längst dazu, nicht als Beweis, dass ich versage, sondern als Teil dessen, was ich inzwischen als echte Selbstfürsorge verstehe.

Bevor es weitergeht, kurz das Nötigste: In diesem Text stecken Affiliate-Links, unter anderem zu der Ausbildung, die ich selbst mache. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, ohne Aufpreis für dich. Ich bin weder Ärztin noch Therapeutin, meine Erfahrungen sind keine Behandlung – wenn es dir gerade wirklich schlecht geht, wende dich an einen Arzt oder eine approbierte Psychotherapeutin. Die vollständige Offenlegung findest du hier.

Der Mythos vom Mehr

Der Satz, der mir in Foren und Büchern am häufigsten begegnet, klingt ungefähr so: Wer überfordert ist, ist noch nicht bereit, muss mehr üben, mehr Struktur, mehr Disziplin aufbringen. Ich habe das eine Weile geglaubt und entsprechend gehandelt. Neulich hielt ich den Laden auch samstags bis sieben offen, in der stillen Rechnung, dass mehr Umsatz gleich mehr Luft für POWER OF LOVE bedeutet, das einjährige Programm mit den 13 Clanmüttern, das ich gerade durchlaufe. Es brachte nur schwerere Beine am Abend und ein Notizbuch, das tagelang leer blieb.

Eine Nachbarin aus dem Viertel quiltet seit Jahren in einem kleinen Nähkreis, ohne dass ich sie je erschöpft wirken sehe. Sie näht zwei Stunden, packt zusammen, geht heim. Kein Zusatzmodul, keine Sonderschicht dazu. Vielleicht ist genau das der Unterschied: Sie behandelt ihre Sache nicht wie eine zweite Vollzeitstelle, die neben dem Laden noch Platz finden muss.

Was der Frauenkreis mit Trauerbewältigung zu tun hat

Ingrid ist im März 2024 gestorben, sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, und ich dachte, ich würde mit dem Sterben umgehen können, weil ich beruflich ständig mit Trauerfloristik arbeite. Das war ein Irrtum. Was blieb, war kein Ritual, das ich schon kannte, sondern ein Raum in mir, für den es keine Vorlage gab.

Im Frauenkreis, den ich seit 2025 in Worpswede besuche, sitzen acht Frauen, die meisten davon ohne verlässliche Ruhephasen im Alltag – manche ziehen Kinder groß, manche führen wie ich einen eigenen Betrieb. Rückzug im klassischen Sinn gibt es für keine von uns. Wenn der Laden brummt oder die Katze krank ist, kann ich nicht einfach sagen, ich sei gerade auf einer schamanischen Reise, mitten in einer Ahnenheilung oder in einer Übung zur Herzöffnung.

Geduld schlägt Fortschrittsdruck

Was mir tatsächlich hilft, ist nicht mehr Anstrengung, sondern etwas, das sich eher nach Warten anfühlt. Geduld lernen wenn spirituelle Fortschritte im Alltag auf sich warten lassen klingt in der Theorie einfach, ist es aber nicht, wenn man es gewohnt ist, dass ein Strauß in zehn Minuten fertig sein muss. Eine Blüte öffnet sich nicht schneller, weil man am Stiel zieht, und ein Modul wird nicht leichter, weil man es an einem Abend durchpaukt.

Alltagsintegration trifft es besser als Fortschritt: Die kleinen Momente zwischen zwei Kundenbestellungen zählen mehr als der nächste große Rückzugsworkshop, den ich mir eigentlich nicht leisten kann und wahrscheinlich auch nicht bräuchte.

Die Ausbildung neu ordnen

Neu ordnen heißt für mich vor allem: nicht alles gleichzeitig wollen. Das Programm selbst ist nicht schlank – Schattenarbeit wechselt sich ab mit Übungen zum Training der Hellsinne, mit einer Einheit zu energetischem Schutz und einer zur Erdung, dazwischen ruhigere Phasen. Wer versucht, das alles parallel zum Laden abzuarbeiten wie eine Bestellliste, überfordert sich fast zwangsläufig.

Bei der Power of Love Ausbildung mit ihren 13 Clanmüttern erlaube ich mir inzwischen, Module zu überspringen, wenn gerade nur Platz für eine einzige Sache ist. Was ich eigentlich brauche, ist ohnehin keine neue Übung, sondern etwas, das näher an Trauerintegration liegt als an Modul-Fortschritt – die innere Leere, die nach Ingrids Tod blieb, lässt sich nicht mit einem vollen Stundenplan zustopfen.

Neulich saß ich am Küchentisch und wartete eigentlich auf genau dieses Loch, von dem im Kurs oft die Rede ist – aber da war nur Zwetschge auf dem Fensterbrett, die Pfoten sauber unter dem Körper verstaut, vollkommen und einfach da. Mein spirituelles Tagebuch ist an solchen Abenden kein Fortschrittsprotokoll, eher der Ort, an dem so ein Moment landet, egal wie unfertig er ist. Ich führe es seit August 2024, mit über zwanzig getrockneten Blüten zwischen den Seiten – heute Abend wahrscheinlich eine Ranunkel. Klappe ich den Moleskine-Deckel danach zu, raschelt das Papier kurz in der Stille, und genau dieses Geräusch ist mir inzwischen lieber als jedes fertige Kapitel.

Eine sanftere Alternative

Falls dich der Ruf deines Herzens gerade eher stresst als heilt, lohnt sich vielleicht ein Blick auf einen leiseren Einstieg. A TOUCH OF ALOHA setzt stärker auf die Huna-Lehre als auf eine dichte Ahnenlinie und wirkt dadurch für manche weniger massiv, wenn im Leben ohnehin schon viel los ist. Ich kenne beide Wege nicht lange genug, um sie gegeneinander abzuwägen – das überlasse ich lieber jemandem, der Kursvergleiche mag. Mir geht es nur darum, dass es überhaupt einen anderen Einstieg gibt.

Was am Ende trägt

Seit dreizehn Jahren arbeite ich mit Blumen, und was mich in dieser Zeit am meisten gelehrt hat, ist, dass man ein Lebewesen nicht zwingen kann, schneller zu blühen. Man kann nur gießen, Licht geben und abwarten – bei Ranunkeln genauso wie bei sich selbst nach einem Verlust.

Wie Haustiere unsere spirituelle Entwicklung begleiten und uns im Alltag erden habe ich erst durch diese Ausbildung wirklich verstanden, weil Zwetschge mich öfter zurückholt als jede Übung aus dem Kurs. Sie ist die Brücke zwischen dem, was ich im Programm lerne, und dem echten, etwas staubigen Alltag im Laden.

Der Mythos vom Mehr hält sich hartnäckig, aber die Umkehrung stimmt öfter: Wenn dich eine Übung, ein Modul oder ein ganzer Tag überfordert, prüf zuerst, was du für diesen einen Tag weglassen darfst, nicht, was du noch draufpacken kannst. Das ist die Regel, die bei mir inzwischen öfter greift als jeder Vorsatz, mehr zu schaffen.

Wenn du spürst, dass du selbst bereit für einen solchen Schritt bist, schau dir die Power of Love Ausbildung in deinem eigenen Tempo an, ohne Druck, ohne Deadline. Deine Seele hat alle Zeit der Welt, auch wenn sich das an manchen Abenden mit kalten Händen und einer langen Kundenliste anders anfühlt.

Alles Liebe aus dem Viertel,
Helene

Mal kurz:
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