Das Bluetentagebuch

Geduld lernen wenn spirituelle Fortschritte im Alltag auf sich warten lassen

Der vierte Rosenstiel liegt schon vor mir auf dem Bindetisch, schräg angeschnitten, bevor ich überhaupt hinschaue. Draußen zieht der Nieselregen graue Streifen über die Schaufensterscheibe, drinnen halte ich die Schere fest und frage mich, wie viel Geduld eine spirituelle Ausbildung eigentlich verlangt, bevor sich in der Trauerarbeit irgendetwas wie Fortschritt anfühlt. Geduld üben klingt leicht, so lange man es nur sagt. Sobald ich es tun soll, merke ich, wie dünn meine Nerven gerade sind.

Bevor es weitergeht, der Satz, den ich jeder Freundin genauso schreiben würde: Manche Links hier sind Affiliate-Links, auch zu Kursen, die ich selbst bezahle und die zwischen den Seiten meines Moleskine auftauchen – wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es dich mehr kostet. Meine vollständige Offenlegung findest du hier. Ich bin keine Ärztin, keine Therapeutin und auch keine Finanzberaterin – nur eine Floristin, die seit Februar ihre Erfahrung mit POWER OF LOVE aufschreibt, ohne zu wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Meine Mutter Ingrid starb im März 2024, sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, und seitdem versuche ich zu verstehen, was mit dem Raum passiert, der in mir zurückgeblieben ist. Die innere Leere, wie ich sie für mich nenne, füllt sich nicht nur, weil ich mich für ein Jahresprogramm mit dreizehn Clanmüttern als Lehrerinnen angemeldet habe. Ich habe gehofft, dass es schneller geht.

Floristenschere und frisch geschnittene Blumen auf dem Bindetisch – Geduld üben im floristischen Alltag

Der Unterschied zwischen Warten und Aushalten

Warten fühlt sich passiv an, wie das Zusehen, während eine Anemone langsam die Blütenblätter öffnet. Aushalten ist etwas anderes – es ist die Entscheidung, im Raum zu bleiben, auch wenn sich nichts bewegt. Alltagsintegration nennt man das im Kurs, wenn das große Gefühl aus einer Sitzung nicht nur dort bleibt, sondern bis in den Dienstagnachmittag im Laden reicht. Diesen Unterschied verstehe ich erst seit Kurzem, seit ich in einer Sitzung des Frauenkreises in Worpswede gemerkt habe, dass Warten für mich früher immer hieß: ablenken, bis es vorbei ist.

Neulich, nach einem Nachmittag im Frauenkreis, bin ich über den Kiesweg zum Auto gegangen und habe zum ersten Mal seit Wochen tatsächlich gespürt, wie der Boden unter meinen Schuhen trägt – nicht gedacht, sondern gespürt, in den Füßen. Erdung ist eines dieser Worte, die ich früher nur benutzt habe, ohne zu wissen, wovon ich rede. An diesem Nachmittag wusste ich es kurz.

Manchmal, wenn eine Lieferung mich bis vor die Kunsthalle führt, bleibe ich fünf Minuten auf den Stufen sitzen, ohne Handy, nur um zu üben, nichts zu tun.

Wachstum lässt sich nicht befehlen, auch nicht mit dem besten Jahresprogramm

In meinem Laden weiß ich eigentlich, wie Wachstum funktioniert. Eine Tulpenzwiebel braucht Kälte, Dunkelheit und dann genau das richtige Maß an Licht, und keine noch so ungeduldige Kundin kann daran etwas beschleunigen. Meine eigene Entwicklung behandle ich trotzdem oft wie eine Bestellung, die pünktlich geliefert werden soll.

Nach der Beerdigung habe ich es erst anders versucht. Fünf Sitzungen bei einer Trauertherapeutin, mit Fragebogen und festen Terminen, und nach der fünften habe ich abgesagt, weil ich mich dabei wie ein Protokoll gefühlt habe, das jemand ausfüllt, nicht wie ein Mensch, der trauert. Das heißt nicht, dass Therapie nicht hilft – für mich war es zu diesem Zeitpunkt einfach die falsche Form.

Die Ahnenheilung, die im Kurs gerade viel Raum bekommt, ist für mich näher an der Gartenarbeit im Winter als an einer schnellen Übung – man sieht nichts, aber unten passiert etwas. Genauso die Schattenarbeit, die eher unbequem ist als erleuchtend. Was manche Trauerintegration nennen, ist für mich meistens genau das: nicht heilen, sondern einbauen, bis es Platz im Alltag hat. Manchmal hilft mir dabei, was ich über Vom Kopf ins Herz kommen gelernt habe, auch wenn spirituelle Blockaden zu lösen selten in der Reihenfolge passiert, die ich mir wünschen würde.

Trauerarbeit braucht keinen stillen Ort mit Kerze

Eine Kundin, die ich seit Jahren kenne, pflegt ihren Mann, der an Demenz erkrankt ist. Neulich hat sie mir zwischen zwei Ranunkeln erzählt, dass sie kaum fünf Minuten am Stück für sich hat. Standardtipps wie einen stillen Ort suchen oder eine Kerze anzünden klingen für sie fast wie Spott.

Für Menschen in Dauerbelastung ist Stille oft keine Erholung, sondern eine Lücke, in der alles hochkommt, wovor sie sich eigentlich schützen. Da hilft kein Zertifikat und kein Jahresprogramm. Da hilft manchmal nur das Wissen, dass jemand anderes das auch kennt. Ich habe ihr eine Pfingstrose mitgegeben – für die Momente, die zu groß für Worte sind.

Freitags kommt Roswitha Feddersen vorbei, wie seit Jahren, und bringt manchmal selbst gebackene Schmalzkekse mit, wenn sie merkt, dass eine Woche schwer war. Energetischer Schutz ist für mich lange nur ein Wort aus dem Kurs gewesen, bis ich gemerkt habe, dass ich genau das meine, wenn ich einen Eukalyptuszweig einpacke, bevor ich zu einer schweren Beerdigungsfloristik fahre. Herzöffnung – das andere große Wort aus dem Programm – fühlt sich bei mir selten warm an. Meistens eher wie eine Wunde, die kurz wieder offen ist.

Getrocknete, gepresste Anemone im Moleskine-Tagebuch – ein stilles Zeichen der Trauerarbeit

Blüten pressen, während man wartet

Im Moleskine liegen inzwischen über zwanzig getrocknete Blüten, jede für einen Moment, der mich woanders hingebracht hat als ich erwartet hatte. Eine Anemone für Klarheit in einer wirren Woche. Ein Eukalyptuszweig für die Wochen, die einfach hart waren. Eine Pfingstrose für die seltenen Momente, in denen sich das Herz kurz weitet.

Das Tagebuch ist meine Art, ein spirituelles Tagebuch zu führen, ohne dass ich es je so genannt hätte, bevor jemand im Kurs den Begriff benutzt hat. Manchmal überrascht mich, was ich vor Wochen notiert habe, so als hätte eine andere Version von mir geschrieben – vielleicht sind das die Hellsinne, von denen im Programm die Rede ist, vielleicht ist es einfach nur Erschöpfung, die ehrlich macht.

Wenn ich mich frage, ob sich die monatliche Bindung an POWER OF LOVE lohnt, schaue ich nicht aufs Konto, sondern auf meine Hände. Sie zittern seltener am Bindetisch. Wenn die Messingglocke läutet, zucke ich nicht mehr bei jedem Ton zusammen.

Alte Messingglocke an der Ladentür im Bremer Viertel – vertrauter Klang während der spirituellen Ausbildung

Zwei Wege zur gleichen Geduld: Trommel und Stille

Nicht jede Geduld sieht gleich aus. Trude Warnecke, mit der ich seit ihrer ersten Mail nach meinem ersten Kursbericht schreibe, lebt in Freiburg und übt seit dem Verlust ihres Mannes jeden Tag eine stille Meditation. Eine Trommel würde sie nie anfassen, sagt sie, das sei ihr zu laut für das, was sie sucht.

Meine Geduld braucht dagegen Bewegung und Klang – die schamanische Reise mit der Trommel, das Körperliche daran, sonst rutscht mein Kopf sofort wieder in die Analyse. Trude sagt, bei ihr ist es umgekehrt: Stille lässt bei ihr Raum entstehen, während jedes Geräusch sie aus der Übung wirft. Wir haben uns nie persönlich getroffen, und trotzdem verstehe ich durch ihre Mails oft besser, warum meine eigene Praxis so und nicht anders funktioniert.

Falls du gerade in einem ähnlichen Jahr steckst und einen Rahmen suchst, der dich hält, auch wenn ein Modul sich falsch anfühlt: Genau dafür nutze ich POWER OF LOVE gerade selbst – nicht als Lösung, sondern als Struktur, an der ich mich festhalte.

Bevor du entscheidest, was zu dir passt, schau vielleicht auch, wie Haustiere unsere spirituelle Entwicklung begleiten können – meine Katze Zwetschge ist in Sachen Geduld oft die ehrlichere Lehrerin als jedes Modul. Wer nach einem Verlust vor allem im Kopf feststeckt, für den kann eine stille, tägliche Übung wie Trudes der richtige Anfang sein – kurz, wiederholbar, ohne große Geste. Wer dagegen merkt, dass Worte und Stille allein nicht durchdringen, für den ist ein körperlicheres Format wie die Trommelreise oder auch die Huna-Lehre, mit der sich manche über A TOUCH OF ALOHA beschäftigen, vielleicht der ehrlichere Weg. Keins von beidem ist die schnellere Abkürzung.

Ich mache das Licht im Laden aus und gehe rüber zu Zwetschge, die sich streckt, als hätte sie auf genau diesen Moment gewartet. Vielleicht ist das die eigentliche Übung: nicht wissen, welche Blüte ich morgen presse, und trotzdem am Bindetisch stehen bleiben.

Mal kurz:
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