Das Bluetentagebuch

Warum ich heute Achtsamkeit im Alltag übe während ich Blumen für Kunden binde

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Es ist dieser Moment am frühen Morgen, wenn das kalte Wasser der Blumenvasen an meine Hände spritzt und die Messingglocke den ersten Kunden ankündigt. Draußen nieselt es grau über das Bremer Viertel, und drinnen riecht es nach feuchter Erde und dem herben Duft von Eukalyptus. Während ich die ersten Stiele für einen Strauß sortiere, hallen die Lehren der Clanmütter aus der letzten Online-Lektion noch in meinem Kopf nach. Es ist September 2026, und ich bin jetzt seit sieben Monaten in einem Prozess, den ich früher wohl als verrückt bezeichnet hätte.

Bevor ich dir davon erzähle, ein kurzer Hinweis: In diesem Text findest du Links zu den Kursen, die ich selbst besuche. Wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine kleine Provision, aber für dich kostet es keinen Cent mehr. Ich teile hier nur, was ich selbst mit meinem Geld bezahlt habe und was in meinem Moleskine-Tagebuch landet. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin – nur eine Floristin, die ihren Weg sucht. Wenn es dir wirklich schlecht geht, such dir bitte professionelle Hilfe bei einem Arzt oder Psychotherapeuten.

Zwischen Bindedraht und Ahnenarbeit

Seit 13 Jahren führe ich nun meinen kleinen Laden. Es ist ein schmaler Altbau mit schiefen Regalen, in denen sich die Vasen stapeln. Früher war das hier einfach nur mein Job. Seit Ingrids Tod im März 2024 ist es anders geworden. Die Trauer saß lange wie ein ungebetener Gast in der Ecke, zwischen den Trauerkränzen und dem Schleierkraut. Ich dachte, ich wüsste, wie man mit dem Tod umgeht – ich verkaufe schließlich jeden Tag das Symbol dafür. Aber erst durch den kleinen Frauenkreis in Worpswede und jetzt durch das strukturierte Online-Programm habe ich angefangen zu begreifen, dass Achtsamkeit nichts ist, was man nur auf einer Meditationsmatte tut.

Detailaufnahme von Händen einer Floristin, die mit Bindedraht und Pfingstrosen arbeitet.

Das raue Gefühl des Bindedrahts an meinen Fingerspitzen erinnert mich heute oft daran, im Hier und Jetzt zu bleiben. Wenn ich versuche, den Atemrhythmus aus der letzten Lektion beizubehalten, während ich eine schwere Pfingstrose in die Mitte eines Gestecks setze, wird das Binden fast zu einem Gebet. Ich habe gelernt, dass ich meine Spiritualität nicht vor der Ladentür abgeben muss. Manchmal ist das Warum strukturierte spirituelle Ausbildung mir mehr Halt gibt als bloße Intuition, genau das, was mich durch den stressigen Samstag rettet.

Das Erbe der 13 Clanmütter im Blumenladen

Mein Kurs, das Programm /ref/power-of-love, begleitet mich nun schon durch das halbe Jahr. Es basiert auf der Weisheit der 13 Clanmütter, und jede davon bringt eine andere Qualität in meinen Alltag. Es ist ein 12-monatiges Programm, und ehrlich gesagt, zahle ich dafür eine monatliche Rate, die ich mir als Floristin eigentlich zweimal überlegen müsste. Aber es ist der Raum, den ich brauche. Ein Raum, der nicht mehr leer ist, seit Ingrid weg ist.

Ich sitze oft abends in meiner Altbauwohnung, die Katze Zwetschge – sie ist nun stolze 15 Jahre alt – liegt auf dem Fensterbrett und beobachtet die Lichter im Viertel, während ich am Laptop sitze. Es ist ein Kontrast: die moderne Online-Welt und die uralten schamanischen Reisen. Aber genau diese Struktur hilft mir. Inzwischen habe ich verstanden, dass ich nicht heilen muss, um heil zu sein. Etwas in mir wird einfach weicher. Warum Selbstmitgefühl lernen für mich der wichtigste Teil dieser Reise ist, merke ich vor allem dann, wenn im Laden mal wieder alles schiefläuft.

Ein Laptop mit einem Online-Kurs und eine schildpattfarbene Katze auf einem Fensterbrett.

Wenn die Achtsamkeit an ihre Grenzen stößt

Natürlich klingt das alles sehr harmonisch, aber die Realität sieht oft anders aus. Letzte Woche zum Beispiel habe ich versucht, im Hinterzimmer eine kurze Trommelreise zu machen, während ich auf die Lieferung von frischem Eukalyptus wartete. Ich war so tief drin, dass ich den Lieferwagen komplett überhört habe. Der Fahrer war weg, die Ware stand vor der Tür im Regen, und ich fühlte mich alles andere als erleuchtet. Das war ein Moment des Scheiterns, der mich lehrte: Spiritualität darf nicht neben der Arbeit stattfinden, sie muss darin verschwinden.

Oder der Moment im August, als wir eine Übung zur Ahnenlinie machten. Ich saß mit Kopfhörern im Laden, es war gerade keine Kundschaft da, und plötzlich überrollte mich die Trauer um Ingrid so stark, dass ich einfach nur weinen konnte. In genau diesem Moment kam ein Stammkunde herein, um eine einzelne Anemone zu kaufen. Ich habe so getan, als hätte ich nur extremen Heuschnupfen, mir die Nase geputzt und versucht, professionell zu wirken. Er hat mich nur mitleidig angesehen. In solchen Momenten merke ich, dass ich noch weit davon entfernt bin, alles im Griff zu haben. Ich weiß oft gar nichts.

Die gepresste Blüte im Moleskine

Jeden Sonntagabend setze ich mich an meinen Küchentisch und schreibe in mein A5 Moleskine. Es ist ein Ritual seit August 2024. Über zwanzig gepresste Blüten liegen inzwischen zwischen den Seiten. Eine Anemone für die Klarheit, die ich manchmal finde, eine Pfingstrose für die großen, emotionalen Durchbrüche. Gestern habe ich eine Anemone für mein Tagebuch gepresst und dabei ein plötzliches Zittern in den Knien gespürt. Es war die Realisation, dass ich zum ersten Mal seit März 2024 wieder wirklich tief durchatme, ohne dass sich meine Brust eng anfühlt.

Ein offenes Moleskine-Notizbuch mit handgeschriebenem Text und gepressten Blumen.

Ich denke oft: 'Ingrid hätte das alles für absoluten Humbug gehalten'. Sie war eine Frau der Tat, der harten Arbeit. Aber wenn ich dann sehe, wie Zwetschge auf dem Fensterbrett schnurrt und wie meine Hände fast von allein die Blumen finden, die zusammenpassen, spüre ich, dass sie doch irgendwie dabei ist. Vielleicht ist Achtsamkeit im Alltag genau das: die Erlaubnis, dass alles gleichzeitig da sein darf – der Schmerz, die Arbeit, die Hoffnung und der Duft von frischen Blumen.

Falls du auch das Gefühl hast, dass in dir ein Raum leer geworden ist, schau dir die Arbeit von Thomas Young an. Das Programm /ref/power-of-love ist eine intensive Reise über ein ganzes Jahr, die Zeit lässt, um wirklich anzukommen. Es gibt auch /ref/a-touch-of-aloha, falls dich der hawaiianische Spirit mehr anspricht, wobei das Programm erst seit Februar 2026 läuft und noch ganz frisch ist. Für mich war die weibliche Energie der Clanmütter entscheidend, um den Verlust meiner Mutter zu verarbeiten.

Ich binde jetzt den letzten Strauß für heute. Es wird eine wilde Mischung, ein bisschen wie mein Leben gerade. Und während ich den Stiel einer Ranunkel kürze, weiß ich: Es muss nicht perfekt sein. Es muss nur echt sein.

Mal kurz:
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