
Was machst du, wenn eine Übung, die dir eigentlich helfen soll, sich anfühlt wie ein Angriff? Ich habe lange keine Antwort darauf gehabt. Selbstmitgefühl klingt in meiner spirituellen Ausbildung wie das einfachste Wort der Welt – mitten in der Trauerbewältigung nach dem Tod meiner Mutter war es das schwerste.
Bevor es weitergeht, kurz das Nötigste: Dieser Text enthält Affiliate-Links, unter anderem zu POWER OF LOVE. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine Provision, du zahlst nicht mehr dafür. Ich bin Floristin, keine Therapeutin und keine Ärztin – bei schwerer Trauer oder anderen seelischen Krisen gehört der erste Schritt zum Hausarzt oder zu einer approbierten Psychotherapeutin, nicht zu mir.
Zwei Wege, mit dem gleichen Verlust umzugehen
Nach dem Tod meiner Mutter Ingrid im März 2024 kannte ich nur einen Weg: weitermachen. Kränze binden, Kunden bedienen, funktionieren. Ich nannte das inneren Frieden, dabei war es nur Betrieb. Was blieb, war das, was manche in meiner Ausbildung die innere Leere nennen – ein Raum in mir, der sich nicht von selbst wieder füllte, egal wie viele Aufträge ich abarbeitete.
Als ich mich im Februar für POWER OF LOVE anmeldete, dachte ich, ich würde einfach eine neue Aufgabe dazu buchen. Ein Jahresprogramm, dreizehn Clanmütter als Lehrerinnen, ein monatlicher Rhythmus. Die Rate zahle ich jeden Monat, obwohl ich mir das eigentlich kaum leisten sollte – das war meine erste Lektion in dem, was die Gruppe Ausbildungsinvestition nennt: nicht nur Geld, sondern eine Entscheidung, sich selbst etwas wert zu sein.
Warum die Meditations-App nach drei Wochen im Schrank landete
Bevor ich zu POWER OF LOVE kam, hatte ich es mit reiner Disziplin versucht. Eine Meditations-App, jeden Morgen zehn Minuten, manchmal mit Kopfhörern am Osterdeich entlang der Weser, mit der festen Absicht, endlich ruhiger zu werden. Nach drei Wochen habe ich einfach aufgehört. Kein großer Bruch, kein Drama – ich habe morgens nur nicht mehr auf Start gedrückt.
Das war keine Charakterschwäche, sondern ein Missverständnis. Ich hatte Ruhe wie eine Aufgabe behandelt, die sich mit genug Wiederholung abhaken lässt. Eine Nachbarin aus meinem Haus pflegt seit Jahren ihren Schrebergarten an der Hemmstraße und sagt, die Arbeit dort mache sie nicht ruhiger, nur müder – ein Satz, der mir seitdem nachhängt. Beschäftigung ist nicht dasselbe wie Mitgefühl.

Was mein Nervensystem von Sanftheit hielt
Für jemanden, dessen System nach einem plötzlichen Verlust auf Hochspannung steht, kann eine Standardübung zum Selbstmitgefühl wie eine Drohung wirken, nicht wie Erholung. Das habe ich an einem grauen Samstagmorgen im April gemerkt, als ich versuchte, mich einfach nur freundlich anzusprechen, und stattdessen nur Wut spürte, während ich auf meinem Dielenboden saß. Wenn sich nach einer schamanischen Sitzung plötzlich etwas bewegt, ist das selten angenehm – manchmal ist es genau dieser Widerstand gegen die eigene Sanftheit.
Die Clanmütter nennen einen Teil davon Schattenarbeit: die Seiten in mir ansehen, die lieber hart bleiben wollen, weil hart wenigstens vertraut ist. Erdung am Morgen, ein paar Minuten mit beiden Füßen fest auf dem Boden, hilft mir inzwischen mehr als jede Absicht, nett zu mir zu sein. Und manchmal brauche ich einfach energetischen Schutz – eine bewusste Grenze, wenn mir eine Übung zu viel abverlangt, statt mich durchzuzwingen.

Der Blick auf die Kupfereimer
Neulich, beim Hochziehen der Jalousien am Morgen, fiel das erste Licht genau auf die Kupfereimer am Eingang, und ich blieb einen Moment stehen: Wie schön das hier eigentlich ist.
Kein Gedanke an Trauer, kein Gedanke an Ausbildung – nur diese eine, klare Sekunde.
Solche Momente kommen selten aus großen Übungen. In einer schwülen Nacht im letzten Juli, während einer Online-Sitzung zur Ahnenarbeit, synchronisierte sich der Trommelschlag aus meinen Lautsprechern mit meinem eigenen Puls, und mitten in der Brust spürte ich eine kurze, scharfe Wärme. Kein Licht, kein großer Durchbruch – nur ein kurzes Auftauen, das die Gruppe manchmal Herzöffnung nennt. Trommelpraxis gehört inzwischen so selbstverständlich zu meinen Abenden wie das spirituelle Tagebuch, in das ich sonntags schreibe.
Ich presse danach fast immer eine Blüte zwischen die Seiten – nach dieser Nacht war es eine Pfingstrose, weil sie Jahre braucht, um nach dem Versetzen wieder richtig zu blühen, genau wie ich gerade.

Selbstmitgefühl zieht in meinen Laden ein
Wenn heute ein Kunde einen Kranz für eine Beerdigung bestellt, rede ich die Trauer nicht mehr klein, nur um schneller zum nächsten Auftrag zu kommen. Ich lasse den Schmerz im Raum, auch meinen eigenen. Eukalyptus verwende ich dabei besonders gern – nicht nur wegen des Dufts, sondern weil er für mich Schutz und Klarheit bedeutet. Das ist, was manche Alltagsintegration nennen: Was ich in der Ausbildung lerne, sickert von selbst in die Arbeit am Bindetisch.
Warum eine spirituelle Online Ausbildung sinnvoll ist bei wenig Zeit im Alltag, verstehe ich inzwischen anders als am Anfang: nicht, weil sie schneller geht, sondern weil sie sich in einen ohnehin vollen Alltag einfügen lässt, ohne dass ich meinen Laden schließen muss.
Das Teufelsmoor, wo mein monatlicher Frauenkreis stattfindet, hat mir gezeigt, dass nicht jede Ruhe laut angekündigt wird – manche liegt einfach im Stillen. Wenn du selbst gerade in einem Umbruch steckst und nach einer Struktur suchst, die hält, ohne zu bevormunden, könnte das POWER OF LOVE Programm ein Anker sein – für mich war es das, gerade weil niemand von mir verlangt, schneller fertig zu sein mit der Trauer. Von der hawaiianischen Huna-Lehre verstehe ich bisher nur Bruchstücke. Naturverbundenheit im Alltag stärken beginnt für mich trotzdem am gleichen Punkt: bei der Natur, die wir selbst sind, ganz gleich welche Tradition gerade den Rahmen gibt.
Disziplin oder Mitgefühl: Wann hilft was?
So sehe ich es heute: Disziplin trägt mich, wenn eine Aufgabe klar ist und ich einfach anfangen muss – ein Kranz, der fertig werden muss, ein Auftrag, der nicht wartet. Mitgefühl brauche ich, wenn es keine Aufgabe gibt, sondern nur ein Gefühl, das ausgehalten werden will. Die App konnte das nicht leisten, weil sie von mir verlangte, sofort ruhig zu werden. Der Frauenkreis verlangt das nicht – er lässt mir den Raum, auch mal nicht ruhig zu sein.
Trauerintegration, sagen die Clanmütter, ist kein Ziel, das man erreicht, sondern eine Haltung, die man immer wieder neu einnimmt. Manchmal steht in meinem Tagebuch nur ein halber Satz. Manchmal presse ich eine Blüte hinein, ohne genau zu wissen, wofür. Geheilt bin ich nicht – aber heilbar, glaube ich inzwischen fest, Schritt für Schritt, Blüte für Blüte, und mit der Erlaubnis, dabei langsam sein zu dürfen.
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