Das Bluetentagebuch

Wie ich meine spirituelle Wahrnehmung vertiefen kann durch die Arbeit mit Erde

Die Schere macht diesen kurzen, leicht zähen Schnitt durch den nassen Stiel, einmal schräg, fertig – und erst beim dritten Eukalyptuszweig merke ich, dass meine Gedanken ganz woanders sind. Bei der spirituellen Ausbildung, die ich gerade durchlaufe. Bei der Frage, ob diese Art von Erdung wirklich etwas mit Trauerverarbeitung zu tun hat, oder ob ich mir das nur einrede, weil ich seit Ingrids Tod jede Arbeit mit den Händen zu einer Art Ritual gemacht habe.

Bevor es weitergeht, kurz der Pflichtteil: Dieser Text enthält Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon etwas, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich der Preis für dich ändert. Ich schreibe nur über das Programm, das ich selbst gerade durchlaufe und monatlich bezahle, und weil ich weder Ärztin noch Rechtsberaterin bin, lies dir die Bedingungen beim Anbieter bitte selbst genau durch, bevor du dich für etwas Längeres entscheidest. Meine vollständige Offenlegung findest du hier.

Fünf Wochen ins Programm, und die Bücher über Trauer haben nie gereicht

Nach all der Zeit im Laden dachte ich, ich wüsste alles über Erde – ihre Textur, ihren Geruch direkt aus dem Sack, wie sie sich unter den Fingernägeln festsetzt. Fünf Wochen bin ich jetzt im Online-Teil dieses Jahresprogramms, seit Februar, und diese Erde ist für mich längst eine Lehrerin für das, was wir in der Stadt am schmerzlichsten vermissen, nämlich wirkliche Erdung, nicht die Art, die man sich beim Spazierengehen bloß einredet.

Meine Mutter Ingrid brachte mir alles über Rosen bei, ganz ohne Zertifikat und ohne eine einzige Trommelreise, und manchmal frage ich mich, was sie zu diesem ganzen Online-Programm sagen würde.

Zuerst habe ich allerdings das getan, was ich dachte, dass man eben tut: Bücher gekauft, Bücher ausgeliehen, Bücher gestapelt auf dem Nachttisch, bis der Stapel kippelig wurde, und ich am Ende keines davon wirklich zu Ende gelesen habe. Jedes versprach eine Art Landkarte durch die Trauer, und keines traf, was in mir tatsächlich passierte – dieser merkwürdig hohle Raum, der sich einfach nicht mit Sätzen füllen ließ, egal wie klug sie waren. Diese innere Leere lässt sich offenbar nicht wegtexten, so viel weiß ich inzwischen.

Was dann half, kam nicht aus einem Buch. Es kam letzten Monat, nach einem Samstag im Frauenkreis in Worpswede, als ich auf dem Rückweg zum Auto über einen Kiesweg ging und mit jedem Schritt spürte, wie die kleinen Steine unter meinen Schuhsohlen nachgaben – und zum ersten Mal seit Monaten das Gefühl hatte, der Boden sei wirklich da, und nicht nur eine Fläche, über die ich laufe, ohne sie zu bemerken.

Lore Ahlers, die seit dem allerersten Samstag neben mir im Kreis sitzt und mich manchmal mitnimmt, war an diesem Tag besonders still während der Trommelreise, so wie eigentlich immer – aber auf der Rückfahrt hat sie über irgendeine Kleinigkeit so sehr gelacht, dass ich für einen Moment komplett vergessen habe, worüber wir überhaupt gesprochen hatten.

Hände einer Floristin, die tief in dunkler, feuchter Erde arbeiten – ein Moment bewusster Erdung zwischen zwei Aufträgen

Schamanische Praxis am Bindetisch

Es bleibt eine seltsame Kombination, der Laptop auf dem Küchentisch und die Erde unter den Fingernägeln gleichzeitig. Im Programm POWER OF LOVE begleiten uns 13 Clanmütter als weibliche Lehrerinnen, und dieses Bild hat sich bei mir festgesetzt, obwohl ich nicht genau sagen kann, warum ausgerechnet das. Vielleicht, weil ich gerade so viele weibliche Stimmen brauche, seit die wichtigste davon fehlt.

Laptop mit Online-Kurs der spirituellen Ausbildung neben einer Schale Erde und einer Anemone

Meine Hellsinne haben sich dabei nicht dramatisch verändert, falls du das erwartest – eher ein leises Schärferwerden, kaum in Worte zu fassen, über das andere ausführlicher schreiben als ich hier. Was ich dagegen deutlich merke, sind körperliche Symptome, die mit der Arbeit zusammenhängen: ein Druck im Nacken nach einer langen Reise, eine Müdigkeit, die anders ist als die vom Stehen im Laden.

Ein seltsames schlechtes Gewissen schleicht sich trotzdem ein, jedes Mal, wenn die Rate abgebucht wird – ein Betrag, den ich mir eigentlich nicht leisten sollte, auch wenn ich nirgends aufschreibe, wie viel es genau ist. Dieser feste Rahmen ist inzwischen aber genau das, was mich hält, auch an Wochen, in denen ich am liebsten aufhören würde. Spirituelle Ausbildung neben dem Vollzeitjob: Meine Erfahrungen als Floristin beschreibt das genauer, falls du neben einem vollen Alltag etwas Ähnliches vorhast.

Über zwanzig getrocknete Blüten liegen inzwischen zwischen den Seiten meines Moleskine-Notizbuchs, eine Anemone für Klarheit, eine Pfingstrose für die großen Momente, ein Eukalyptuszweig für die harten Wochen, jede für einen Moment, der mich besonders getroffen hat. Wie ein kreatives Tagebuch für spirituelle Entwicklung mir im Alltag hilft erzählt mehr davon, falls dich das interessiert.

Offenes Moleskine-Notizbuch mit gepressten Blumen und handgeschriebenen Notizen zur Trauerverarbeitung

Echte Erdung spüren

Für uns im Viertel gibt es keine weitläufigen Gärten, nur schmale Hinterhöfe und den Laden selbst. Aber man braucht keine zwei Hektar Land, um die Erde zu spüren, das habe ich gelernt. Es sind die kleinen Handgriffe: bewusstes Umtopfen der Zimmerpflanzen als kleine Zeremonie, der tiefe Atemzug, bevor die ersten Stiele ins Wasser kommen, das kurze Barfußgehen über den Holzboden meiner Wohnung, wenn ich abends nach Hause komme.

Letzte Woche bin ich in der Mittagspause bis zur Kunsthalle Bremen gelaufen, nur um draußen zu sein, und habe mich kurz auf die Stufen gesetzt, Augen geschlossen, einfach um zu spüren, wie der kalte Stein durch die Jacke hindurch kriecht. Kein großes Erlebnis, nur zehn Minuten, in denen ich nichts anderes getan habe als zu sitzen.

Inke Glandorf kam heute kurz vorbei, keine große Bestellung, nur ein paar Minuten, in denen sie einfach da war, ohne viel zu sagen, so wie sie es öfter macht. Solche stillen Besuche erden mich manchmal mehr als jede Übung aus dem Kurs, auch wenn ich mir inzwischen vor jeder Sitzung bewusst einen kleinen energetischen Schutz aufbaue, bevor ich überhaupt die Augen schließe.

Diese Art von Alltagsintegration, Spiritualität nicht als eigenes Zeitfenster, sondern mitten im Blumenladen zwischen zwei Kundengesprächen, trägt mich bisher am längsten, mehr als jede einzelne Übung für sich.

Die leere Kammer langsam neu ordnen

Bei der letzten Übung zur Ahnenarbeit kam zum Beispiel gar nichts. Ich saß auf dem Kissen, Augen geschlossen, zehn Minuten lang, und wartete auf irgendein Bild oder Gefühl, und es blieb einfach still. Keine Wärme, kein Ziehen, nichts, worüber ich hätte schreiben können, außer genau das: dass nichts kam.

Was ich inzwischen glaube: Diese Art von Schattenarbeit braucht keine Ergebnisse nach Plan, genauso wenig wie eine Anemone nach Plan aufblüht, nur weil ich sie gerade brauche. Manche Wochen bringen ein Bild, eine Wärme, eine Erkenntnis. Andere bringen nur Stille, und auch das gehört offenbar dazu.

Die eine Sache, die ich aus dieser Woche mitnehme, ist simpel: Trauerintegration passiert bei mir nicht, wenn ich sie erzwinge, sondern wenn ich aufhöre, auf das große Gefühl zu warten, und stattdessen die kleinen, konkreten Dinge mache. Erde unter den Nägeln. Ein Zweig, der in die Vase kommt. Ein Weg, auf dem die Steine unter den Schuhen plötzlich wirklich da sind.

Falls du selbst nach einem Weg suchst, deine Wahrnehmung zu vertiefen, und dabei eine weibliche, tragende Begleitung brauchst: Das Programm POWER OF LOVE von Thomas Young ist für mich bislang ein Anker gewesen, gerade weil es sich über ein ganzes Jahr zieht und mir die Zeit lässt, die ich offensichtlich brauche. Die aktuellen Details und Anmeldemöglichkeiten findest du direkt beim Anbieter, weil sich solche Dinge je nach Starttermin ändern können.

Draußen wird es in Bremen jetzt früh dunkel, und Zwetschge liegt schon zusammengerollt auf dem Fensterbrett. Falls es dir ähnlich geht wie mir seit März 2024: Nimm dir ein Stück Erde, halt es kurz fest, atme einmal tief durch. Mehr ist das im Moment auch bei mir nicht. Und falls es irgendwann zu dunkel wird, zu schwer, sprich bitte mit deinem Hausarzt oder einer Therapeutin. Schamanische Praxis ist für mich ein guter Weg, aber kein Ersatz für professionelle Hilfe, wenn die Last zu groß wird.

Mal kurz:
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