
Ein Vollzeitjob und eine einjährige spirituelle Ausbildung klingen nach einem Widerspruch, nach zwei Leben, die sich gegenseitig die Zeit stehlen. Bei mir sind daraus zwei Hände geworden, die am selben Strauß arbeiten – die eine schneidet Stiele, die andere lernt gerade, was Trauerbewältigung eigentlich bedeutet, wenn man sie nicht nur floristisch kennt. Diese Frage bekomme ich oft, seit ich anfing, über mein Programm zu schreiben: Wie soll das überhaupt gehen, Vollzeitjob und Ausbildung gleichzeitig, und bringt das wirklich etwas für die Selbstfürsorge im Alltag, oder raubt es am Ende nur mehr Energie, als es gibt?
Transparenz vorweg, kurz und ehrlich: Dieser Text enthält Affiliate-Links, unter anderem zum Power-of-Love-Programm, das ich selbst bezahle. Für dich ändert sich am Preis nichts, für mich schon, falls du darüber buchst. Bevor du selbst eine Entscheidung für eine Ausbildung triffst, lies die Bedingungen beim Anbieter genau – ich bin Floristin, keine Rechtsberaterin.
Wie passt ein Jahresprogramm neben einen Vollzeitjob als Floristin?
Um fünf Uhr morgens stehe ich zwischen Eimern auf dem Großmarkt in Mahndorf, noch bevor der Laden im Viertel überhaupt aufschließt, und genau dort beginnt für mich die eigentliche Antwort auf diese Frage. Spirituelle Ausbildung neben einem Vollzeitjob bedeutet nicht, dass irgendwo zwei freie Stunden auftauchen. Diese Zeit gibt es schlicht nicht. Was es gibt, ist die Entscheidung, die Ausbildung in die Lücken zu schieben, die ohnehin da sind – die Fahrt zurück vom Großmarkt, das Warten auf eine Lieferung, die zehn Minuten, bevor die ersten Kundinnen kommen.
Manche nennen das Alltagsintegration, ein Wort, das ich niemals benutzen würde, wenn ich mit einer Kundin spreche, aber es trifft ziemlich genau, was im Hintergrund passiert.
Im Hintergrund läuft dabei das Programm der 13 Clanmütter weiter, ein Gerüst aus weiblichen Lehrerinnen, bei dem jeder Monat ein eigenes Thema bekommt, egal wie voll mein Kalender gerade ist.
Der Laden selbst fragt nicht, ob ich müde bin. Er braucht Wasser in den Eimern und eine Antwort für die Kundin, die nach einem Strauß ohne Lilien fragt, genauso wie jeden anderen Tag auch.

Der Laden bleibt offen, während zu Hause etwas anderes wächst
Nichts an meiner Arbeit verändert sich sichtbar, nur weil ich gerade an einem Modul sitze. Die Rechnungen kommen weiter, die Lieferung mit den Ranunkeln kommt mal zu früh und manchmal gar nicht, und irgendjemand will einen Strauß, der nach gar nichts Bestimmtem aussehen soll, nur schön. Was sich verändert, ist eher, wie ich die Hände dabei halte. Die raue, noch halb gefrorene Feuchtigkeit von Eukalyptuszweigen in der Handfläche fühlt sich inzwischen weniger nach reiner Arbeit an und mehr nach einem kurzen Ankommen, bevor der Tag richtig losgeht.
In solchen Momenten hilft es mir, kleine Naturrituale für die Seele direkt in den Arbeitsablauf zu legen, statt auf einen ruhigen Abend zu warten, der im Blumenladen selten von allein kommt.
Trommelreisen, Ahnenarbeit und die Bausteine von Power of Love
Wer mich fragt, was im Programm eigentlich passiert, bekommt von mir selten eine kurze Antwort.
Monat für Monat kommt im Rahmen dieser Clanmütter-Struktur etwas Neues dazu – Erdung, Chakra-Arbeit, Schattenarbeit, Ahnenarbeit, Herzöffnung, energetischer Schutz, das Schärfen der Hellsinne – und jedes einzelne Thema wäre genug Stoff für einen eigenen langen Abend am Bindetisch, nicht nur für einen Absatz hier.
Es gibt bei der gleichen Lehrerfamilie übrigens auch ein hawaiianisch geprägtes Programm, A Touch of Aloha, das mit dem Konzept Mana arbeitet und eine eigene Huna-Lehre mitbringt – aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Abend, nicht für meinen.
Was das Ganze kostet, ist eine eigene, nüchterne Angelegenheit, die ich hier nicht aufmachen will – nur so viel: Es ist ein Betrag, über den man wirklich nachdenken muss, keiner, den man nebenbei bucht.
Manche Frauen aus dem Kurs richten sich zu Hause einen kleinen Ritualplatz ein, eine Ecke mit einer Kerze oder einem Stein. Ich habe das nie gebraucht, weil mein Bindetisch diese Funktion für mich längst übernimmt.
Was, wenn tagelang einfach nichts passiert?
Die ehrlichste Antwort ist: dann passiert tagelang nichts, und das gehört genauso dazu wie die Abende, an denen etwas kippt.
Ich habe lange vor dieser Ausbildung schon einmal versucht, jeden Tag mit einer App zu meditieren, zehn Minuten, immer zur gleichen Zeit. Nach drei Wochen habe ich einfach aufgehört, ohne große Entscheidung – die App lag irgendwann nur noch ungenutzt auf dem Handy. Das Programm jetzt fühlt sich anders an, nicht weil ich plötzlich disziplinierter geworden bin, sondern weil es nicht allein auf meiner Tagesform aufbaut.
Eine Nachbarin von mir pflegt seit Jahren einen Schrebergarten an der Hemmstraße, und wenn ich sie treffe, erzählt sie oft, dass unter der Erde wochenlang gar nichts zu sehen ist, bis plötzlich doch etwas durchbricht. Mit der inneren Leere nach einem Verlust war es bei mir ganz ähnlich – sie füllt sich nicht, weil ein Modul das gerade vorsieht, sondern irgendwann einfach, ohne Ankündigung.
Manchmal melden sich auch körperliche Symptome, ein Ziehen im Rücken, ein flaues Gefühl im Bauch, das mit keiner Übung direkt zusammenhängt – ich erwähne das nur, weil mir vorher niemand gesagt hat, dass sich spirituelle Entwicklung manchmal einfach wie ein harter Arbeitstag anfühlen kann. Wer merkt, dass einen das komplett überfordert, sollte das ernst nehmen, statt es nur als normalen Teil des Prozesses abzutun.
Eine Ausbildung ersetzt keine Therapie
Diese Frage stelle ich mir selbst öfter, als manche vielleicht denken, und die Antwort bleibt bei jedem Durchdenken gleich: nein. Ein Jahresprogramm kann einen Rahmen geben, in dem sich etwas bewegt, aber es ist kein Ersatz für eine Behandlung bei einer approbierten Psychotherapeutin oder einem Hausarzt, wenn die Trauer zu schwer wird, um allein damit klarzukommen.
Was mir persönlich geholfen hat, ist zu lernen, Trauer im Körper zu spüren, statt sie nur wegzuschließen, wie ich es jahrelang mit Kränzen und Ritualen für andere Menschen gemacht habe, ohne das Gleiche für mich selbst zuzulassen.
Muss ich an Schamanismus glauben, um davon etwas zu haben?
Nein, glaube ich nicht, auch wenn das vermutlich keine Antwort ist, die ein Werbetext so schreiben würde. Die schamanische Reise ist für mich eher eine Praxis als ein Glaubensbekenntnis, und die Grundbegriffe – Krafttier, Trommelreise, Ritual – lassen sich auch einfach nachschlagen, ohne dass man vorher irgendetwas unterschreiben muss.
Was sich bei mir verändert hat, zeigt sich nicht in großen Zeichen. Wenn ich abends nach Hause komme und Zwetschge auf dem Fensterbrett liegt, ist da inzwischen kein Loch mehr, das ich mit irgendetwas füllen müsste – nur die Katze, die schläft, und das reicht.
Was ich Frauen rate, die neben ihrem Alltag anfangen wollen
Wartet nicht auf den perfekten Moment, denn der kommt in keinem Vollzeitjob von allein. Es wird immer eine Lieferung geben, die zu spät kommt, oder eine Kundin, die ausgerechnet dann anruft, wenn man gerade mitten in einer Übung sitzt.
Schreibt auf, was euch trifft, in irgendeiner Form, auch wenn es albern klingt. Ich presse seit einer Weile getrocknete Blüten zwischen die Seiten meines Notizbuchs, eine Anemone für die klaren Momente, und inzwischen ist daraus so etwas wie ein spirituelles Tagebuch geworden, nur eben mit Blumen statt nur mit Worten.
Wenn du das Gefühl hast, dass du jemanden brauchst, der dich bei diesem Rahmen an die Hand nimmt, schau dir das Power of Love Programm an – mir persönlich geben die 13 Clanmütter als weibliche Lehrerinnen nach dem Verlust meiner Mutter Ingrid ziemlich viel Halt.
Und falls dich das überrascht: Manifestieren im esoterischen Sinn gehört für mich nicht zum Kern der Sache, auch wenn das Wort im Kurs gelegentlich fällt – mich interessiert eher, was sich wirklich verändert, als was ich mir nur einrede.
Ich lerne selbst noch, meine Grenzen besser zu wahren, auch gegenüber meinem eigenen Perfektionismus. Und falls deine Trauer oder Erschöpfung gerade so schwer wiegt, dass du kaum aufstehen kannst, geh bitte zuerst zu einem Hausarzt oder einer Therapeutin, nicht zuerst in einen Online-Kurs.
Der Laden schließt heute pünktlich, draußen wartet nur der übliche bremische Nieselregen, und ich fühle mich nicht mehr so leer, wie es sich nach dem Tod meiner Mutter einmal angefühlt hat. Eher wie ein Beet im Spätwinter – man sieht noch nichts, aber die Zwiebeln arbeiten längst unter der Erde.
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