Das Bluetentagebuch

Naturrituale für die Seele: Wie ich im stressigen Alltag wieder Kraft schöpfe

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Acht Frauen sitzen im Kreis auf dem Scheunenboden in Worpswede, einmal im Monat, seit Anfang 2025, und ich bin eine von ihnen, mitten in einer spirituellen Ausbildung, die ich nie geplant hatte. Niemand hier würde sich Expertin für Naturrituale nennen oder für Trauerbewältigung im klassischen Sinn. Der erste Trommelschlag kommt bei mir inzwischen immer im Rücken an, lange bevor ich ihn überhaupt als Ton wahrnehme, und danach fahre ich zurück in meinen Laden im Viertel, wo die Anemonen schon auf mich warten.

Bevor es weitergeht, ein kurzer Hinweis dazwischen: Ich schreibe hier über Kurse, die ich selbst bezahle und besuche. Wenn du über einen Link in diesem Tagebuch etwas buchst, bekomme ich eine Provision vom Anbieter – für dich ändert sich am Preis nichts. Ich bin Floristin, keine Ärztin und keine Therapeutin, und bei tiefem seelischem Schmerz gehört der erste Weg zum Hausarzt oder zu einer approbierten Psychotherapeutin. Hier ist meine vollständige Offenlegung.

Der leere Raum nach dem Tod meiner Mutter

Meine Mutter Ingrid starb im März 2024, sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich dachte, ich wüsste, was Trauer ist – ich binde jede Woche Kränze, berate Menschen in ihren schwersten Stunden, kenne das Ritual der Trauerfloristik in- und auswendig. Nach der Beerdigung kam etwas anderes als Trauer im gewöhnlichen Sinn. Eher das Gefühl, dass ein ganzer Raum in mir leer geworden war, und ich wusste nicht, wie ich ihn wieder füllen sollte.

Versucht habe ich es zuerst mit Büchern. Ein Stapel über Trauer wuchs auf meinem Nachttisch, dann daneben auf dem Boden, bis er so hoch war, dass ich ihn eines Nachts im Dunkeln umstieß. Jedes Buch hatte eine andere Antwort, und keines traf die Frage, die ich eigentlich hatte. Irgendwann habe ich aufgehört, neue zu kaufen, und den Rest einfach stehen lassen.

An manchen Abenden gehe ich stattdessen am Osterdeich entlang der Weser, ohne Ziel, nur um die Beine zu bewegen und nicht zu denken. Was in der Ausbildung innere Leere genannt wird, hat für mich inzwischen einen Namen, auch wenn das ein eigenes, langes Thema für einen anderen Abend ist.

Nach dem monatlichen Kreis sitze ich oft mit Lore Ahlers im Auto zurück nach Bremen, die seit dem allerersten Samstag neben mir sitzt. Neulich haben wir uns auf der Rückfahrt in einem Nachbardorf verfahren und dabei mehr geredet als an drei Terminen zusammen. Nebenbei erzählte sie, dass sie zu Hause töpfert, wechselte dann aber schnell wieder das Thema, als wäre ihr das zu viel Aufmerksamkeit für eine Nebensache.

Seit Februar 2026 kommt dazu /ref/power-of-love, ein einjähriges Online-Programm mit der Weisheit der 13 Clanmütter, für das ich mich angemeldet habe, obwohl der monatliche Betrag eigentlich nicht in mein Budget passt. Ob ich damit Hoffnung kaufe oder echte Verwandlung, weiß ich bis heute nicht genau, aber ich spüre das Gewicht meines Notizbuchs in der Hand und bleibe dabei.

Hände bereiten frische Anemonen im Blumenladen vor – ein kleines Naturritual am Morgen

Wie soll ein Naturritual aussehen, wenn die Zeit für den Wald fehlt?

Mein Alltag als Floristin ist körperlich – Erde, Wasser, scharfe Messer, wenig Platz für stundenlange Waldspaziergänge. Wenn ich morgens die ersten Stiele anschneide, ist das für mich eine kleine Form von Ahnenarbeit, auch wenn Ahnenheilung als eigener Begriff in der Gruppe noch etwas Größeres meint, das ich selbst noch nicht ganz verstehe. Ich danke der Erde, die diese Schönheit hervorgebracht hat, und spüre dabei etwas, das in der Ausbildung Erdung genannt wird.

Letzten Sonntagmorgen habe ich einfach die Jalousien im Laden hochgezogen, und das Licht fiel auf die Kupfereimer am Bindetisch. Nichts Besonderes ist passiert – nur dieser eine, klare Gedanke: Mein Laden ist schön. Ich hatte das seit Monaten nicht mehr gedacht.

Meine Stammkundin Inke Glandorf kauft bei jedem Besuch dieselbe Blume – weiße Anemonen, nie etwas anderes. Sie kommt zu den Jahrestagen und manchmal dazwischen, und ich habe aufgehört zu fragen, warum gerade diese Blume. Manche Antworten muss man nicht kennen, um sie zu respektieren.

Eine einzelne Blume wirklich ansehen

Ein Naturritual muss nicht der Wald sein. Für eine Stammkundin von mir, die zwei kleine Kinder allein erzieht und keine freie Minute hat, reicht oft eine einzelne Anemone, die sie bewusst anschaut, bevor der Tag sie wieder einholt. Ob das schon das ist, was andere Alltagsintegration nennen, oder einfach nur eine Floristin, die versucht, nicht unterzugehen, weiß ich nicht genau. Ich schreibe diese kleinen Übungen inzwischen in mein Moleskine, das langsam zu einer Art spirituellem Tagebuch geworden ist, obwohl ich das nie so geplant hatte.

Beim Versuch, während eines Zoom-Calls einen heiligen Raum in meiner Küche zu schaffen, kam Zwetschge dazwischen. Meine fünfzehnjährige Katze sprang mit einer Eleganz, die sie eigentlich gar nicht mehr hat, auf den Tisch und warf ein Glas mit Eukalyptuszweigen um. Statt tiefer Versenkung gab es eine Putzaktion mit Küchenrolle, und was in der Gruppe spirituelle Überforderung genannt wird, war an diesem Abend einfach nur: zu viel auf einmal.

Katze Zwetschge stößt beim Zoom-Call ein Glas mit Eukalyptuszweigen auf dem Küchentisch um

Vor ein paar Wochen passierte etwas, das mich kalt erwischte. Während einer Trommelreise am Abend hatte ich eine Wärme in der Brust gespürt, fast schmerzhaft stark. Am nächsten Morgen, mitten im Binden eines großen Straußes, kam dieses Gefühl zurück, und ich ließ einfach die Schere fallen. Das Metall klirrte neben mir, die Messingglocke kündigte in genau diesem Moment einen Kunden an, und ich stand da mit nassen Augen. Genau in solchen Momenten lerne ich, meine eigene Verletzlichkeit als Stärke zu begreifen.

Wenn die Kraft einfach ausbleibt

Heilung verläuft nicht gerade, das weiß ich inzwischen. Es gibt Samstage in Worpswede oder Abende vor dem Laptop, an denen gar nichts passiert, an denen ich nur müde bin und mich frage, warum ich so viel Geld für etwas ausgebe, das man nicht anfassen kann. Schattenarbeit nennt man einen Teil davon in der Gruppe, und in der zwölften Woche meines Online-Programms war meine Version davon ziemlich unspektakulär: nur das Gefühl, für ein paar Minuten richtig wütend auf meine Mutter zu sein, weil sie gegangen ist, und keine Idee, wohin mit dieser Wut. Heilung ist eher wie das Wachstum einer Pfingstrose – erst wochenlang nur eine harte, grüne Kugel, und dann, fast über Nacht, bricht sie auf in diese Fülle.

In meinem Moleskine liegen inzwischen über zwanzig gepresste Blüten, jede für einen Moment, der mich berührt hat – eine Pfingstrose für die großen Erkenntnisse, ein Eukalyptuszweig für die harten Wochen, in denen ich mich nur durchgebissen habe. Wenn ich heute am Bindetisch den Duft von feuchter Erde und kaltem Messing einatme, mischt er sich mit dem süßlichen Aroma der trocknenden Blumen in meinem Buch. Ich binde heute mit dem Bewusstsein, dass ich mir bewusst Raum für Heilung im stressigen Berufsalltag schaffe, auch wenn das manchmal nur drei Minuten zwischen zwei Kunden sind.

Aufgeschlagenes Moleskine-Notizbuch mit gepressten Blüten als spirituelles Tagebuch nach Trauerbewältigung

Vielleicht ist das wichtigste Ritual, zu akzeptieren, dass ich nicht alles kontrollieren kann – weder das Wetter in Bremen, noch die Liefertermine der Gärtnerei, und schon gar nicht den Schmerz über einen Verlust. Aber ich kann entscheiden, wie ich in diesem leeren Raum stehe und ihn Schritt für Schritt mit Aufmerksamkeit fülle. Falls dir eine feste Struktur in einer ähnlichen Phase helfen würde: /ref/power-of-love ist derzeit mein Anker, wenn mir zwischen all den Blumen der Boden wegzurutschen scheint – ein ganzes Jahr, komplett online, was sicher nicht für jeden die richtige Form ist. Die genauen Konditionen findest du direkt beim Anbieter, falls dich das Programm interessiert.

Jetzt muss ich los – die Messingglocke hat gerade geläutet. Es ist Zeit, die Welt ein kleines Stück bunter zu machen, auch wenn es nur ein Strauß Anemonen für eine Fremde ist. Bis zum nächsten Sonntagabend.

Mal kurz:
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