
Ich merke immer wieder, wie oft ich ja sage, während in mir längst ein Nein steht. Seit ich im POWER OF LOVE Programm mitten in einem Modul der 13 Clanmütter sitze, das sich ausschließlich mit Abgrenzung beschäftigt, wird mir das noch bewusster. Nach 13 Jahren als Floristin dachte ich, ich wüsste längst, wo meine Grenzen liegen – aber seit dem Tod meiner Mutter ist daraus eine Übung geworden, die ich fast täglich neu mache, Teil meiner Trauerverarbeitung genauso wie meiner spirituellen Entwicklung.
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Abgrenzung ist keine Mauer, sondern eine Entscheidung
Für Menschen, die beruflich oder im Privatleben viel auffangen – in der Floristik ist das zum Beispiel die Trauerarbeit für fremde Beerdigungen – klingt Abgrenzung oft nach Härte, als würde man Mitgefühl kündigen, um sich selbst zu schützen. Das Modul über die Clanmutter, die für Wahrhaftigkeit steht, sieht das anders: Eine Grenze ist kein Rückzug aus der Beziehung, sondern eine Entscheidung darüber, was ich aus freien Stücken gebe und was ich nur aus Erschöpfung gebe.
Früher habe ich das anders gelöst. Ich habe meiner Schwester irgendwann alles erzählt, was ich fühlte, in einem einzigen langen Gespräch – und danach wochenlang nicht angerufen, weil das Gespräch zwar ehrlich war, aber nichts verändert hat. Das war kein Grenzenwahren, sondern ein Ventil, für das ich danach mit Wochen Funkstille bezahlt habe.

Woran erkenne ich, dass gerade eine Grenze fällt?
Mein Kopf merkt eine überschrittene Grenze meist zu spät. Mein Körper ist schneller: ein Ziehen im Nacken, wenn ich eigentlich schon lange nein sagen wollte, oder dieses flache, schnelle Atmen, das ich früher für bloßen Stress gehalten habe. Dass die Verbindung zu meinem Körper hier der zuverlässigere Kompass ist als mein Kopf, war für mich keine abstrakte Erkenntnis, sondern etwas, das sich im Laden ständig bestätigt – zum Beispiel diese Woche, als eine Kundin kurz vor Ladenschluss einen Brautstrauß ausschließlich aus Ranunkeln wollte, obwohl die gerade kaum lieferbar sind, und ich den Reflex spürte, sofort zuzusagen, noch bevor ich überhaupt nachgedacht hatte.
Ein einzelnes Bild hilft mir seitdem, diesen Reflex zu unterbrechen. Nach einem Frauenkreis in Worpswede bin ich einmal über einen Kiesweg zu meinem Auto gegangen und habe zum ersten Mal seit Monaten wirklich gespürt, dass der Boden unter meinen Füßen da ist, fest, tragend, ohne dass ich darüber nachdenken musste. Dieses Gefühl – Boden unter mir, bevor ich irgendjemandem etwas verspreche – hole ich mir inzwischen bewusst zurück, wenn eine Anfrage zu schnell kommt.
Drei Fragen vor jedem Ja
Seit ein paar Wochen stelle ich mir vor jeder Zusage zwei feste Fragen. Sage ich ja aus Großzügigkeit oder aus Angst, jemanden zu enttäuschen? Und was genau gebe ich auf, wenn ich zusage – Zeit, Schlaf, einen freien Abend? Keine der beiden liefert eine automatische Antwort, aber beide zusammen verlangsamen mich lange genug, um wirklich zu wählen, statt nur zu reagieren.
Die dritte Frage stammt nicht von mir. Trude, die seit meinem ersten Kursbericht in unregelmäßigen, aber beharrlichen Abständen schreibt, fragte neulich, ob ich einer fremden Person in meiner Lage dasselbe raten würde wie mir selbst. Wir kennen uns nur aus diesen Mails, nie persönlich, aber die Frage sitzt seitdem fest in meiner Liste – und sie ist unangenehmer, als die ersten beiden es je waren.
Es ist ein bisschen wie beim Binden eines Straußes: Man schaut sich jeden Stiel einzeln an, bevor er ins Bund darf, nicht erst danach.

Der Moment, in dem die Übung nicht greift
Nicht jede Anwendung der drei Fragen endet klar. Letzte Woche schrieb mir ein Großhändler, der seit Jahren versucht, mir B-Ware zum Preis von A-Ware anzubieten, und ich ging alle drei Fragen durch, bevor ich antwortete – und am Ende blieb trotzdem nur ein schlechtes Gewissen übrig, kein Gefühl von Klarheit. Ich habe nein gesagt, aber es fühlte sich nicht nach dem ruhigen inneren Aufrichten an, von dem im Modul die Rede ist, sondern einfach nach Nein. Ob das reicht, weiß ich noch nicht.
Roswitha, die seit Jahren jeden Freitagvormittag in meinen Laden kommt, hörte sich die Geschichte mit dem Großhändler an und sagte nur, sie glaube kein Wort von alldem mit den Clanmüttern, aber wenn es mich dazu bringe, endlich nein zu sagen, solle ihr das recht sein. Von ihr nehme ich solche Sätze ernster als von den meisten anderen.
Es gibt im Programm eigene Übungen zu energetischem Schutz und zu Erdung, aber das sind eigene Themen für sich, die hier mehr verwirren als helfen würden. Manche würden das, was ich gerade mit meinem schlechten Gewissen mache, Schattenarbeit nennen; ich nenne es schlicht: ehrlich hinschauen. Dass mein Körper eine überschrittene Grenze oft früher meldet als mein Kopf das zugeben will, ist für mich inzwischen eine verlässliche Beobachtung, auch wenn ich nicht vorhabe, das hier weiter zu deuten.
Ich bin keine Heilpraktikerin und keine Therapeutin. Wenn Erschöpfung oder eine Trauer, die sich nicht bewegt, deinen Alltag bestimmt, ersetzt kein Online-Programm den Weg zu deinem Hausarzt oder zu einer approbierten Psychotherapeutin.
Falls dich das Programm selbst interessiert: Ich berichte hier ehrlich weiter, aber POWER OF LOVE ist sicher nicht die einzige Tür in diese Art von Arbeit. Es gibt auch A TOUCH OF ALOHA mit einem hawaiianischen Rahmen, der für manche besser passt als die 13 Clanmütter – für mich, mit meiner norddeutschen Nüchternheit, war der Weg über die Clanmütter der naheliegendere. Die aktuellen Inhalte und Konditionen findest du jeweils direkt bei den Anbietern.
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