Das Bluetentagebuch

Wie hawaiianische Huna Weisheiten meine innere Ruhe im Alltag stärken

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Ein Wochenende in völligem Schweigen hat mich leerer zurückgelassen, als ich hineingegangen bin. Ein gewöhnlicher Morgen mit hochgezogenen Jalousien hat mir mehr Ruhe gegeben als zwei Nächte in einem Kloster. Das ist die Art Widerspruch, mit der ich seit diesem Jahr lebe, seit ich versuche, hawaiianische Huna-Weisheit nicht als Ausflug, sondern als spirituelle Praxis mitten in meinem Blumenladen zu verstehen. Trauerverarbeitung, habe ich gelernt, hat wenig mit großen Gesten zu tun und viel mit dem, was zwischen zwei Kunden passiert. Alltagsspiritualität ist für mich inzwischen kein Wort aus einem Ratgeber mehr, sondern die einzige Form, die in meinem Tag überhaupt Platz hat.

Vor ein paar Wochenenden bin ich in ein Kloster in der Eifel gefahren, weil eine Bekannte schwor, zwei Tage Stille würden mir gut tun. Keine Floristik, kein Telefon, nur Schweigen und ein paar gemeinsame Mahlzeiten. Ich kam zurück und weinte im Auto auf dem Parkplatz, ohne genau zu wissen, worüber. Nicht befreit. Eher aufgerissen, ohne dass danach etwas geschlossen wurde.

Am Osterdeich entlang der Weser bin ich am nächsten Tag stundenlang gelaufen, weil ich nicht wusste, wohin sonst mit dem Gefühl. Romy Kähler, mit der ich vor rund zwanzig Jahren im selben Betrieb gelernt habe und die heute in Oldenburg als Floristin arbeitet, habe ich von der Deichkante aus angerufen. Sie hat nicht lange gefragt, wie es mir geht. Sie hat gesagt: Vielleicht wolltest du dir etwas erkaufen, was man nicht kaufen kann, nicht einmal mit zwei Tagen Schweigen. Das hat gesessen, weil es stimmt, und weil Romy so ist – direkt, aber nie kalt dabei.

Was bringt mehr Ruhe: ein Wochenende im Rückzug oder ein gewöhnlicher Morgen im Laden?

Diese Frage lässt mich seither nicht los, und ich glaube nicht, dass es eine einzige richtige Antwort gibt. Huna als hawaiianische Weisheitslehre erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher; hier interessiert mich nur, wie sie sich in einem Tag anfühlt, der aus Kundinnen, Rechnungen und welken Stielen besteht. Wie man spirituelle Entwicklung überhaupt in einen Blumenladen-Alltag bekommt, ist noch einmal eine eigene Geschichte für sich. Mich beschäftigt an diesem Punkt nur der Unterschied zwischen einem Ausnahmezustand und einer Gewohnheit.

Seit ich das Online-Programm A TOUCH OF ALOHA von Thomas Young durchlaufe, sitze ich oft abends mit dem Laptop auf dem Schoß und lasse die Module einfach auf mich wirken. Zwanzig Jahre Veröffentlichungsgeschichte stehen hinter dem Mann, und trotzdem bleibt der hawaiianische Rahmen für mich anfangs fremd – Inseln, die ich nie betreten habe, Wörter, die ich falsch ausspreche. Je länger ich dabei bleibe, desto weniger fremd fühlt sich das an, zwischen Rosen und Nelken.

Floristin übt Huna-Weisheit und spirituelle Praxis mit Eukalyptuszweig neben Laptop mit Online-Kurs

Ein Wochenende im Schweigen, und was danach kam

Mina Bargmann, die seit ein paar Jahren an Wochenenden im Laden hilft und gerade an ihrer Abschlussarbeit über Rituale in der Trauerarbeit schreibt, hat mich letzten Sonntag etwas gefragt, das ich seither mit mir herumtrage. Sie wollte wissen, warum ich für ein einziges Wochenende der Stille so viel aufgewendet habe, wenn eine kleine tägliche Übung am Ende genauso viel – vielleicht sogar mehr – bei mir bewegt hat. Keine rhetorische Frage. Sie wollte wirklich eine Antwort, und ich hatte erst keine.

Die Antwort, die ich inzwischen gefunden habe, hat weniger mit dem Kloster selbst zu tun als mit der Erwartung, die ich hineingetragen habe. Ich wollte, dass zwei Tage Stille etwas reparieren, wofür es keinen Knopf zum Drücken gibt. Huna nennt diese Haltung, im Moment zu bleiben statt auf einen Bruch zu warten, Manawa – aber mir hilft das Wort weniger als die Übung selbst, täglich, klein, ohne Ankündigung.

Die Jalousien hochziehen, bevor die erste Kundin kommt

Neulich habe ich die Jalousien hochgezogen, bevor überhaupt jemand im Laden war, und das Licht ist quer über die Kupfereimer gefallen, als hätte es jemand extra so eingerichtet. Für einen Atemzug lang war der Laden einfach nur schön, ohne dass ich etwas dafür geleistet hatte. Keine Reise, kein Modul, keine Vorbereitung – nur Licht auf Metall, und ich mittendrin. Das war kein Wochenende, das war nicht einmal eine Minute, aber es hat mehr in mir bewegt als zwei Tage in der Eifel.

Ich habe gelernt, Lebensenergie von Blumen durch Huna Übungen bewusster wahrzunehmen, und genau das passiert in solchen Minuten. Eine Ranunkel ist dann nicht mehr nur eine Ranunkel, sondern ein kleines, geschlossenes System aus Farbe und Wasser und Zeit, das vor mir auf dem Tisch liegt und wartet. Mana, diese hawaiianische Vorstellung von Kraft, die von innen kommt, erkläre ich besser an anderer Stelle – hier reicht mir der Gedanke, dass die Blume ihre eigene Kraft hat und ich meine, und beide müssen sich nicht ineinander auflösen.

Alles andere, was dieses Jahr aufgewühlt hat

Nicht alles davon lässt sich so klar ordnen wie dieser eine Vergleich. Schattenarbeit hat mich einmal richtig wütend gemacht, aus einem Grund, den ich bis heute nicht ganz fassen kann. Ahnenarbeit, die sich um Ingrid und das, was vor ihr war, dreht, fühlt sich manchmal wie Heimkommen an und manchmal wie Zudringlichkeit. Hellsinne üben, das heißt bei mir vor allem: viel spüren und wenig davon einordnen können. Energetischer Schutz, bevor ich mit einer trauernden Kundin spreche, ist für mich inzwischen eine kurze, fast unsichtbare Geste, mehr nicht. Körperliche Symptome, die angeblich zur spirituellen Entwicklung gehören sollen, habe ich bei mir noch nicht sauber zuordnen können. Einen festen Ritualplatz in meiner Wohnung habe ich mir nie eingerichtet, und ich bin nicht sicher, ob mir das fehlt.

Ho'oponopono habe ich einmal für einen alten Groll gegenüber einer Lieferantin versucht und bin mitten im Satz hängengeblieben. Manifestation klingt in meinen Ohren noch immer zu sehr nach einer Bestellung beim Universum, auch wenn ich inzwischen weiß, dass es eher darum geht, wohin man seine Aufmerksamkeit lenkt. Chakren spüre ich kaum, das lasse ich hier einfach so stehen, auch wenn es nicht gut ins Bild passt. Was Blumen in der Trauerfloristik jenseits des Üblichen bedeuten können, ist ein eigenes Thema, das mehr Platz braucht als dieser Absatz. Einmal im Monat sitze ich mit sieben anderen Frauen bei Trommel und Trance, aber was dabei schamanisch wirklich passiert, würde ich hier kleiner machen, als es sich anfühlt, wenn ich es in drei Sätzen abhandle. Begriffe wie Krafttier oder Ritual im Einzelnen durchzugehen, würde hier mehr verwirren als helfen – dafür gibt es anderswo ein eigenes Glossar.

Die innere Leere, die nach Ingrids Tod entstanden ist, lässt sich mit keiner einzelnen Übung endgültig auffüllen – das weiß ich inzwischen, auch wenn sie nicht mehr so bodenlos ist wie am Anfang. Trauerverarbeitung in einem geordneten Sinn, mit Schritten und einer klaren Reihenfolge, ist nicht das, was ich hier liefere; das gehört in andere Hände und andere Texte. Mein Moleskine mit den gepressten Blüten dazwischen führe ich weiter, ohne jedem erklären zu können, warum eine Pfingstrose manchmal mehr sagt als ein ganzer Absatz. Geerdet fühle ich mich am ehesten mit beiden Händen in kaltem Wasser, nicht auf einer Matte. Herzöffnung war mir am Anfang ein viel zu großes Wort, und jetzt kommt es mir nur noch zutreffend vor, ohne dass ich es weiter auseinandernehmen will. Spirituelle Überforderung kenne ich vor allem an Abenden, an denen ich zwischen Modul, Moleskine und Ladenschluss einfach nur noch sitzen will, ohne eine einzige Übung mehr zu machen.

Gepresste Pfingstrose als Symbol für Alltagsspiritualität und Trauerverarbeitung im Tagebuch

Was mich dieses Jahr finanziell wirklich kostet, einschließlich der Frage, ob ich mir das als kleine Ladenbesitzerin überhaupt leisten sollte, ist ein eigenes Kapitel, das an anderer Stelle mehr Platz findet als hier. Den Aloha-Spirit und was er mit meinem Viertel macht, erzähle ich ebenfalls lieber woanders ausführlich; hier reicht mir, dass er mich milder macht im Umgang mit schwierigen Kundinnen, nicht öfter, aber tiefer. Ob das Power of Love Programm mit seinen dreizehn Clanmüttern für mich der richtige Weg gewesen wäre, frage ich mich manchmal noch, besonders an Abenden, an denen die weibliche Linie nach Ingrid sich besonders deutlich meldet. Entschieden habe ich mich trotzdem für den hawaiianischen Weg, nicht weil er besser ist, sondern weil er zuerst da war, als ich ihn brauchte.

Alltagsspiritualität trägt mehr als der Rückzug

Wenn ich Mina heute eine Antwort geben müsste, würde ich sagen: Ein Wochenende wie das in der Eifel kann der richtige Schritt sein, wenn du jemanden brauchst, der dich für zwei Tage ganz aus deinem Leben heraushebt, und wenn du danach jemanden hast, der dich wieder auffängt. Für mich, mit einem Laden, der jeden Morgen wieder aufgeschlossen werden muss, trägt eher das Kleine: die hochgezogenen Jalousien, der Atem beim Binden eines Straußes, ein Wort wie Manawa, das ich mir selbst zuspreche, während die nächste Kundin schon an der Tür steht. Das eine ersetzt das andere nicht. Aber ich weiß jetzt, welches von beiden für mein Leben gemacht ist und welches nur für ein Wochenende.

Ich lerne gerade, wie ich durch die Huna Philosophie lerne wieder in meine eigene Kraft zu kommen, ohne mich dabei zu übernehmen, und ohne jedes Wochenende wie eine Prüfung zu behandeln, die ich bestehen oder nicht bestehen kann.

Falls du selbst nach einer Form suchst, die dir Halt gibt, wenn gerade vieles wackelt, kannst du dir A TOUCH OF ALOHA in Ruhe ansehen. Es heilt nichts, und es nimmt dir die eigentliche Arbeit nicht ab. Aber es ist eine Form, an der ich mich zwischen zwei Kundengesprächen festhalten kann, und das war für mich bisher genug. Lies dir die Bedingungen beim Anbieter trotzdem gut durch, bevor du dich entscheidest – für mich war es der richtige Griff, für dich muss es das nicht sein.

Mal kurz:
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