
Ein Stängel bricht laut, wenn man ihn zu grob knickt. Ein Mensch bricht leiser, und meistens merkt es niemand außer einem selbst. Seit dem Tod meiner Mutter Ingrid im März 2024 arbeite ich an genau dieser leisen Art von Bruch, und die Huna-Philosophie ist inzwischen das Werkzeug, mit dem ich versuche, wieder in meine eigene Kraft zu kommen. Was als reine Trauerverarbeitung begonnen hat, ist längst zu etwas geworden, das eher nach spiritueller Entwicklung klingt, auch wenn mir das Wort in einem Blumenladen immer noch fremd über die Lippen geht. Selbstfürsorge als Floristin heißt bei mir vor allem: die Schere kurz ablegen, bevor die Hände vor Erschöpfung zittern.
Kurz zur Offenlegung, weil Ehrlichkeit für mich dazugehört: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links, und wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich bin Floristin, keine Ärztin, keine Psychologin und keine zertifizierte Heilerin, und alles, was hier steht, ist reine persönliche Erfahrung. Wenn es dir psychisch sehr schlecht geht, hol dir bitte professionelle Hilfe bei einem Arzt oder einer Therapeutin. Hier findest du meine vollständige Offenlegung.
Trauerverarbeitung beginnt mit einer Leere, die niemand sieht
Dreizehn Jahre stehe ich nun in diesem Laden, und ich habe gedacht, ich hätte über den Tod längst alles gelernt, was es zu lernen gibt. Kränze binden, Sargschmuck stecken, den Hinterbliebenen zuhören, ohne viele Worte zu brauchen – das kann ich. Als meine Mutter Ingrid im März 2024 starb, sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, ist trotzdem etwas anderes passiert, als ich es erwartet hatte. Kein Schmerz, der laut wird. Eher ein Raum in mir, der sich geleert hat und einfach leer geblieben ist, egal wie viele Blumen ich hineinstelle. Meine Energie – mein Mana, wie ich heute sage – ist über Monate fast bei null gewesen.
Bücher habe ich in dieser Zeit gestapelt, eines nach dem anderen, bis der Turm neben meinem Bett fast umgefallen ist – und keines hat wirklich getroffen, was in mir vorgegangen ist. Das ist vielleicht das Ehrlichste, was mir in diesen Monaten passiert ist: die Erkenntnis, dass Lesen über Trauer nicht dasselbe ist wie Trauer aushalten. Nach dem Trommeln in Worpswede, wohin mich seit über einem Jahr ein monatlicher Frauenkreis führt, habe ich mehr gewollt als das Trommeln allein. Im Februar 2026 habe ich mich deshalb für A TOUCH OF ALOHA angemeldet, ein Online-Programm, das mit der Huna-Philosophie arbeitet.
An jenem Abend sitze ich vor dem Laptop, Zwetschge eingerollt auf meinem Schoß, und binde nebenbei noch einen Kranz für den nächsten Morgen fertig. Ob Mama gelacht hätte, wenn sie gesehen hätte, wie ich zwischen zwei Handgriffen hawaiianische Atemübungen ausprobiere, während draußen der Bremer Nieselregen gegen die Scheibe tickt? Ich weiß es bis heute nicht. Diese Frage stelle ich mir öfter, als mir manchmal recht ist.

Die Welt ist wirklich das, wofür ich sie halte
Ike heißt das erste Prinzip der Huna-Lehre, und es klingt zunächst simpel: Die Welt ist so, wie du glaubst, dass sie ist. In den ersten Wochen im Programm habe ich das fast unverschämt gefunden. Wie soll meine Welt bunter werden, wenn die Person fehlt, die sie für mich am buntesten gemacht hat? Ich erinnere mich an einen Abend im August, an dem ich vor dem Bildschirm sitze und die Aloha-Meditation einfach nicht ankommt, weil mein Kopf voller Rechnungen ist und voller Ingrids Gesicht in den letzten Tagen.
Kala kommt später — das Prinzip der Freiheit, das behauptet, es gebe keine wirklichen Grenzen außer den selbst gesetzten. Langsam verstehe ich, dass ich nicht nur die trauernde Tochter bin, sondern auch die Frau, die morgens den Laden aufschließt und Wasser wechselt. Die schamanische Arbeit fühlt sich seitdem weniger wie Flucht an und mehr wie das Lockern eines zu fest gebundenen Straußes, bei dem jede Blume wieder Luft zum Atmen braucht. Mit Schattenarbeit im eigentlichen Sinn habe ich mich noch kaum beschäftigt, aber Kala fühlt sich manchmal wie ihr kleiner, freundlicherer Cousin an. Wer selbst gerade an diesem Punkt steht, findet vielleicht etwas in meinem Text darüber, wie ich meine Lebensenergie steigern kann durch einfache Huna Übungen im Alltag, auch wenn niemand davon über Nacht die eigene Welt umkrempelt.
Wenn die Energie nicht fließen will
Was mir in den meisten spirituellen Ratgebern fehlt, ist Ehrlichkeit über pure Erschöpfung. Huna-Übungen laden wunderbar zur Selbstfürsorge ein, aber bei Menschen, die gerade einen Angehörigen pflegen, stößt dieser Ansatz oft an eine harte Grenze. In den sieben Wochen, in denen ich Ingrid gepflegt habe, hat es keine bewusste Energieausrichtung gegeben. Da waren Schlafmangel, Angst und ein Telefon, das jederzeit den nächsten Notfall ankündigen konnte. Makia nennt die Lehre die Kraft der Aufmerksamkeit – aber wie soll ich meine Aufmerksamkeit lenken, wenn draußen das eigene Leben gerade alles fordert?
Pono, Harmonie, bedeutet für mich inzwischen vor allem, mir selbst zu verzeihen, wenn gerade kein Mana da ist, das ich spüren kann. Es ist in Ordnung, wenn die spirituelle Praxis in den Hintergrund rückt, sobald das Leben alles fordert. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion aus den ersten Monaten im Programm: Die eigene Kraft kommt nicht durch Zwang zurück, sondern durch das Anerkennen dessen, was gerade ist – auch wenn das bedeutet, drei Wochen lang gar nichts zu üben.
Auf der Rückfahrt von einem der Frauenkreis-Samstage hat Lore Ahlers, die aus dem Kreis manchmal mitfährt, mich gefragt, ob ich glaube, dass Ingrid stolz auf das wäre, was ich gerade mache. Eine Antwort darauf habe ich nicht, und auch nach vielen Kilometern habe ich keine gefunden.
Ein Kribbeln, das ich nicht mehr wegerklären kann
Vor ein paar Wochen passiert etwas, das ich immer noch nicht richtig erklären kann. Ich binde eine aufwendige Hochzeitsbestellung – viel Eukalyptus, weiße Pfingstrosen, ein paar zarte Anemonen –, und mitten in der Arbeit spüre ich ein deutliches Kribbeln in den Fingerspitzen. Der aufgetaute Eukalyptuszweig liegt feucht und ein bisschen rau in meiner Hand, ganz gewöhnlich eigentlich, und trotzdem ist da plötzlich diese Wärme, die nichts mit kaltem Blumenwasser zu tun hat. Ob das ein körperliches Symptom spiritueller Entwicklung ist oder einfach Finger, die endlich auftauen, kann ich nicht sicher sagen, und ich habe aufgehört, das unbedingt entscheiden zu wollen. Heilen im medizinischen Sinn kann ich damit nicht, das weiß ich; aber etwas in mir hat sich seitdem bewegt, langsam, Blatt für Blatt.

Inke Glandorf, seit Jahren eine treue Kundin für Trauerfloristik, kommt inzwischen manchmal auch ohne besonderen Anlass vorbei. Sie erklärt nie viel, fragt selten nach, und trotzdem hat sie mir öfter als jede längere Unterhaltung das Gefühl gegeben, dass das, was ich hier tue, wirklich zählt. Was ich inzwischen versuche, ist, den Schmerz der anderen nicht mehr automatisch mit nach Hause zu tragen, sondern eher den Raum zu halten, so wie ich es im Frauenkreis in Worpswede übe. Ob das schon energetischer Schutz im engeren Sinn ist, wage ich nicht zu behaupten, aber es fühlt sich inzwischen seltener an, als würde ich am Ende des Tages den Kummer fremder Familien mit heimnehmen.
Vor acht Wochen fahre ich am frühen Morgen zum Großmarkt, um Ware für eine große Bestellung zu holen, so wie ich es seit Jahren tue. Auf der Rückfahrt, mitten im Verkehr, fällt mir auf, dass ich zum ersten Mal seit Ingrids Tod nicht automatisch überlegt habe, sie kurz anzurufen und ihr von der Fahrt zu erzählen. Kein großer Schmerz in diesem Moment, eher eine merkwürdige Stille im Auto. Ich halte dann kurz am Rand des Schnoorviertels an, gehe die engen Gassen dort ein paar Minuten langsam ab, ohne bestimmten Grund, und danach ist etwas in mir ruhiger, ohne dass ich hätte sagen können, warum.
Selbstfürsorge als Floristin zwischen Bindetisch und Ahnenarbeit
Jeden Sonntagabend sitze ich in meiner Küche, Zwetschge auf dem Fensterbrett, und schlage mein A5-Moleskine auf, das ich seit August 2024 führe. Über zwanzig getrocknete Blüten liegen inzwischen zwischen den Seiten. Am Wochenende habe ich eine Pfingstrose gepresst, für einen dieser Momente im Frauenkreis, in dem ich mich Ingrid näher gefühlt habe als sonst – Ahnenheilung ist ein großes Wort für das, was bei mir oft nur ein stilles Danke im Kopf ist, aber ich finde kein besseres.
Ike für die Erkenntnis, Kala für das Loslassen von Schuldgefühlen, weil ich nicht genug für Ingrid getan hätte, Makia für den Fokus auf das, was wächst statt auf das, was welkt – so kritzle ich mir manchmal Stichworte neben die gepressten Blüten, ohne dass daraus je eine vollständige Lehre wird. Die ganze Huna-Lehre in ihrer Tiefe erkläre ich hier ohnehin nicht, dafür fehlt mir selbst noch die nötige Distanz. Eine richtige schamanische Reise im klassischen Sinn erlebe ich fast ausschließlich noch in Worpswede; das Online-Programm arbeitet mit anderen Mitteln, ruhiger, kleinschrittiger. Manifestation im Sinne von einfach wollen und es passiert ist mir bis heute fremd, das nur nebenbei gesagt. Diese Art von Alltagsintegration – Huna zwischen zwei Kundengesprächen – ist vermutlich unspektakulärer, als es von außen klingt.
Manchmal, wenn mich die vielen Online-Module und der monatliche Betrag auf dem Kontoauszug überfordern, schaue ich mir stattdessen die gepressten Blumen an. Eine Anemone für die Klarheit nach einer intensiven Sitzung über Ahnenarbeit. Ein kleiner Zweig Eukalyptus für die harten Wochen im Spätwinter, in denen ich fast abgebrochen hätte. Was diese Investition in mich selbst am Ende wert ist, werde ich wohl erst in ein paar Jahren wissen, und ich rechne das bewusst nicht durch. Wenn du selbst gerade an einem Punkt bist, an dem sich nach einer schamanischen Sitzung plötzlich etwas bewegt, kann ich nur sagen: bleib eine Weile dabei, auch wenn der Weg alles andere als gerade verläuft.

Der kleine Ritualplatz in meiner Wohnung sieht nach nichts Besonderem aus, nur Trommel und ein Rauchbündel auf einem Tuch, aber er trennt für mich den Sonntagabend zuverlässig vom Rest der Woche.
Einen Schritt zurücktreten
Ich schreibe, wie ich Blumen binde: mit viel Gefühl, mit Pausen, und ohne zu wissen, ob das Ergebnis taugt, bis ich selbst einen Schritt zurücktrete. Das Online-Programm A TOUCH OF ALOHA ist für mich inzwischen so etwas wie ein Gerüst, an dem ich hochwachsen kann, auch wenn manche hawaiianischen Begriffe in einer Bremer Altbauwohnung erst einmal fremd wirken. Die Essenz dahinter – dass wir an der Gestaltung unserer eigenen Kraft mitwirken – übersetzt sich trotzdem erstaunlich gut in meinen Alltag zwischen Wasser und Draht.
Es gibt auch Tage, an denen gar nichts klappt, an denen ich die Meditation nach fünf Minuten abbreche, weil ich nur an eine unbezahlte Rechnung denken kann, die eigentlich schon letzte Woche fällig gewesen ist. Auch das gehört offenbar dazu. Meine fünfzehn Jahre alte Katze zeigt mir das jeden Tag ohnehin deutlicher, als es ein Kurs je könnte: Was meine alte Katze mir über das Loslassen und den Moment beibringt, wirkt manchmal weiser als jedes dicke Buch über Philosophie.
Wenn du merkst, dass in dir auch ein Raum leer geworden ist, den das Übliche nicht mehr füllt, schau dir das Programm vielleicht in Ruhe an. Es gibt dort inzwischen auch das POWER OF LOVE Jahresprogramm mit dreizehn Lehrerinnen, das einen noch weiteren Rahmen bietet, besonders wenn du eine weibliche Bezugsperson verloren hast. Die eine Lektion, die bei mir nach diesen Wochen wirklich sitzengeblieben ist: Kraft kommt nicht zurück, weil man sie sich erarbeitet, sondern weil man aufhört, sich für ihr Fehlen zu schämen. Heute Abend klebe ich noch eine getrocknete Anemone in mein Buch, für die Klarheit, die langsam, ganz langsam, wieder in mein Leben zurückfindet.
Bis nächsten Sonntag,
deine Helene
Keine der Informationen auf dieser Website stellt eine medizinische, rechtliche oder finanzielle Beratung dar. Alle Inhalte basieren auf persönlicher Erfahrung. Wenden Sie sich an einen qualifizierten Fachmann für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Beratung.