
Die Frage ist, wie viel Selbstmitgefühl man sich entgegenbringt, wenn gerade niemand zusieht. Seit ich eine spirituelle Ausbildung zur Herzöffnung durchlaufe, merke ich, wie viel schwerer mir das mit mir selbst fällt als die Trauerarbeit, die ich täglich für andere Menschen leiste. Im kleinen Frauenkreis, aus dem dieser Weg für mich gewachsen ist, kam genau diese Frage einmal auf den Tisch – eine fertige Antwort habe ich bis heute nicht.
Kurzer, ehrlicher Hinweis vorab: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Buchst du darüber ein Programm, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass für dich etwas teurer wird. Ich schreibe nur über Kurse, die ich selbst mit meinem eigenen Geld aus dem Laden bezahlt habe, und die genauen Konditionen findest du immer direkt beim Anbieter. Ich bin Floristin, keine Ärztin oder Rechtsberaterin – bei seelischen Krisen ist der Hausarzt oder eine Psychotherapeutin immer der wichtigere erste Weg.
Woher die Frage nach dem Selbstmitgefühl kommt
Meine Mutter Ingrid starb im März 2024, sieben Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich dachte, meine Arbeit hätte mich vorbereitet – ich binde seit Jahren Trauerkränze, kenne jedes Symbol, jede Blume, die Trost spenden soll. Für andere funktioniert dieses Wissen. Für mich selbst stand es plötzlich leer da, wie ein Regal, das ich zwar kenne, aber in dem Moment einfach nicht mehr finde.
Diese Leere ist die eigentliche Frage hinter dem ganzen Online-Kurs. Nicht: Wie verarbeite ich Trauer? Sondern: Wie gehe ich mit mir selbst um, wenn mich niemand beim Trauern beobachtet und ich keine Kundin bin, die ich beraten muss.
Spirituelle Ausbildung und Vollzeitjob – geht das zusammen?
Ein Laden lässt sich nicht einfach pausieren, nur weil innerlich gerade viel in Bewegung ist. Rechnungen, Lieferungen, Kundengespräche – das läuft weiter, egal wie leer man sich fühlt. Was mir hilft, ist, die Übungen klein zu halten: eine Atemübung zwischen zwei Kundinnen, ein Satz ins Tagebuch, bevor ich abschließe. Darüber, wie sich eine spirituelle Ausbildung neben einem Vollzeitjob überhaupt tragen lässt, schreibe ich an anderer Stelle ausführlicher – der Kern ist: Es muss alltagstauglich sein, sonst bricht es im ersten stressigen Monat wieder weg.
Dass ich dafür jeden Monat eine spürbare Summe aufbringe, ist für mich inzwischen eine bewusste Entscheidung geworden, keine Nebenbei-Buchung, die einfach mitläuft. Es ist eine Art Ausbildungsinvestition in mich selbst, auch wenn sich das im ersten Moment seltsam anfühlt, wenn man sein Geld sonst eher in neue Ware oder Reparaturen steckt.
Mein Tagebuch, gepresste Blüten und eine Anemone für Klarheit
Seit die Leere angefangen hat, schreibe ich unregelmäßig in ein Moleskine – manchmal zwei Seiten, manchmal nur drei Sätze. Dieses kreative Tagebuch für spirituelle Entwicklung verbindet die Übungen aus dem Kurs mit dem, was im Laden passiert. Wenn mich eine Sitzung besonders trifft, presse ich am nächsten Tag eine Blüte zwischen die Seiten. Neben dem Tagebuch habe ich mir in der Wohnung außerdem einen kleinen Platz für Rituale eingerichtet – nicht mehr als eine Kerze und eine getrocknete Blüte auf einer alten Kommode.

Vor ein paar Tagen war es eine Anemone – für mich ein Symbol für Klarheit, aber auch für die Zerbrechlichkeit eines Neuanfangs. Über zwanzig getrocknete Blüten liegen inzwischen zwischen den Seiten, jede für einen Moment, in dem ich mich ein kleines Stück mehr angenommen habe, statt mich zu verurteilen.

Was im Online-Kurs selbst passiert

In den Modulen geht es um Erdung, um energetischen Schutz, um Chakra-Arbeit, um das Training der Hellsinne, auch um Ahnenheilung, eine schamanische Reise mit der Trommel und ein paar schamanische Grundbegriffe, die ich vorher nur aus Büchern kannte. Manche Übungen leihen sich bei der hawaiianischen Huna-Lehre, bei Mana als Begriff für Lebensenergie und beim Aloha-Spirit, auch wenn ich selbst näher an den europäischen Wurzeln bleibe.
Andere Übungen kommen aus Ho'oponopono, dem hawaiianischen Vergebungsritual, oder zielen auf Manifestation, auch wenn das nicht das Wort ist, das ich im Laden benutzen würde. Herzöffnung heißt in diesem Rahmen nicht nur Weichheit, sondern auch Schattenarbeit – die Seiten in mir ansehen, die ich lieber wegschieben würde. Die Wut, dass Ingrid so früh gegangen ist. Die Bitterkeit, wenn ich glückliche Familien im Viertel sehe.
Mein eigener Weg läuft über POWER OF LOVE, ein einjähriges Programm von Thomas Young, das mit den 13 Clanmüttern als weiblichen Lehrfiguren arbeitet. Gerade wenn du selbst eine weibliche Bezugsperson verloren hast, trifft dieser Rahmen oft tiefer, als man zuerst denkt – bei mir war das so. Es ist komplett online, ohne Anschluss an eine Gruppe vor Ort, was nicht für jede Persönlichkeit die richtige Form ist, aber für meinen Alltag zwischen Laden und Wohnung passt es gut. Wer eher eine Verbindung zur hawaiianischen Tradition sucht, für den könnte A TOUCH OF ALOHA vom selben Anbieter interessant sein – Thomas Young arbeitet seit zwanzig Jahren mit genau diesem Aloha-Spirit, auch wenn dieses konkrete Programm selbst noch recht neu ist und eigene Langzeit-Erfahrungen fehlen.
Hat vorher schon etwas geholfen?
Bevor der Online-Kurs kam, habe ich etwas ganz anderes versucht: einfach mehr arbeiten. Ich habe den Laden sogar samstags bis sieben offen gelassen, in der stillen Hoffnung, dass Erschöpfung die Leere irgendwann verdrängt. Es hat nicht funktioniert. Ich war nur müder und genauso leer wie vorher, nur mit weniger Kraft, es mir überhaupt einzugestehen.
Was bei mir als innere Leere nach Ingrids Tod begann, fühlt sich nicht bei jeder Frau im Frauenkreis gleich an – die eine spürt es als Enge in der Brust, die andere eher als Schwere im Nacken, lange bevor sich das in Worten fassen lässt. Trauerintegration, so nennt es die Schamanin, die den Frauenkreis leitet, läuft bei jeder Person in ihrem eigenen Tempo.
Neulich, auf der Rückfahrt vom Großmarkt, fiel mir auf, dass ich keinen einzigen Gedanken daran verschwendet hatte, sie anzurufen – und danach war es nicht laut in mir, nur still, auf eine Art, die sich anders anfühlte als die Stille der ersten Monate. Eine Bekannte aus dem Viertel, die seit Jahren in einem kleinen Nähkreis quiltet, hat neulich gefragt, ob das nicht alles zu viel für mich sei, diese Mischung aus Laden, Frauenkreis und Online-Kurs. Es gab trotzdem Wochen, in denen eine Übung einfach zu viel wurde und ich sie mitten drin abgebrochen habe, weil sich das eher nach spiritueller Überforderung als nach Heilung anfühlte.
Auch skeptische Leserinnen fragen mich das
Skeptische Leserinnen fragen mich oft, was das alles eigentlich bringt, außer einem guten Gefühl am Bildschirm. Meine ehrlichste Antwort: Ich bin nicht sanfter mit mir geworden, weil ein Kurs das verspricht, sondern weil ich inzwischen genauer hinschaue, bevor ich mich selbst verurteile. Wenn eine Pfingstrose den Kopf hängen lässt, gebe ich ihr frisches Wasser und schneide sie neu an, ohne sie dafür zu beschimpfen. Bei mir selbst merke ich erst jetzt, wie automatisch ich genau das Gegenteil tue.
Ein kleines Kriterium wende ich inzwischen an mir selbst an: Wenn ich merke, dass ich mich für ein Gefühl schäme, bevor ich es überhaupt zu Ende gefühlt habe, ist das für mich das Zeichen, kurz innezuhalten, statt einfach weiterzumachen. Blumensymbolik hilft mir dabei oft als Eselsbrücke – nicht, weil eine Blume etwas heilt, sondern weil sie mir zeigt, dass auch das Verblühen zu einem Zyklus gehört, nicht nur die Blüte.
Naturrituale im Alltag integrieren

Zwetschge, meine inzwischen fünfzehn Jahre alte Katze, schläft die meiste Zeit irgendwo in der Wohnung und kommentiert meine spirituellen Krisen mit vollkommener Gleichgültigkeit, was erstaunlich beruhigend wirkt. Diese kleinen, unspektakulären Momente – eine schlafende Katze, eine frische Lieferung Ranunkeln am Morgen – gehören für mich genauso zu der Arbeit wie jede Übung im Online-Kurs.
Wie genau ich versuche, diese Art von Achtsamkeit über den Kurs hinaus in meinen Alltag als Floristin zu retten, beschreibe ich ausführlicher dort, wo ich erzähle, wie ich Naturrituale für die Seele zwischen Lieferungen und Kundengesprächen unterbringe. Eine fertige Antwort auf die Frage vom Anfang – wie viel Selbstmitgefühl ich mir wirklich entgegenbringe – habe ich immer noch nicht. Aber die Frage selbst zu stellen, ohne gleich eine Note dafür zu verlangen, ist für mich inzwischen schon ein Teil der Antwort.
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